19. November 2019

Münchner Philharmoniker: Per App mittendrin


Kategorie: Service

Ein Beitrag von:

Dr. Stefan Döring
Dr. Stefan Döring

Co-Autor:
Ella Hiesch, - Nachwuchskraft im IT-Referat der Stadt München Ella Hiesch,
Nachwuchskraft im IT-Referat der Stadt München

Wer in den letzten Monaten in der Nähe des Gasteigs unterwegs war, hat vielleicht vermehrt Menschen mit Kopfhörern wahrgenommen, die ihr Smartphone wie einen Kompass gehalten haben. Denn um den Gasteig herum spielen seit kurzem die Münchner Philharmoniker zu jeder Tageszeit den vierten Satz der 1. Sinfonie von Robert Schumann. Die neue App „Inside MPhil“ macht es möglich, dabei zu sein:

Münchner Philharmoniker – mittendrin statt nur dabei

Seit diesem Sommer kann man die Münchner Philharmoniker dank der App „Inside MPHIL“ nicht mehr nur im Gasteig, sondern fast ebenso „live“ im naheliegenden Park der St. Nikolai Kapelle erleben. Mittels App und Kopfhörer soll dabei der Eindruck erzeugt werden, dass man sich mitten im Konzert befindet. Und zwar nicht bloß im Zuschauerraum, sondern tatsächlich mitten im Orchester. Und wenn man das volle Klangerlebnis haben möchte, bietet sich der Platz des Dirigenten an.

Referenz dafür ist eine Aufnahme, die die Münchner Philharmoniker im März diesen Jahres eingespielt haben. Dahinter steckt die Idee, klassische Musik für jedermann zugänglich zu machen und dabei ein ganz neues, noch nicht dagewesenes Erlebnis zu schaffen.

3-dimensionales Hörelebnis​

Jedes der gespielten Instrumente ist dafür per GPS Koordinaten auf der Wiese vor der Kapelle verortet worden, um dem Publikum das Gefühl zu geben, Sie stehen mitten im Orchester. Abhängig davon, wo man sich auf der Wiese befindet und in welche Richtung man sich bewegt, wechselt so das Hörerlebnis. Das Smartphone wird dabei wie ein Kompass genutzt. Über die App selbst kann man nicht nur sehen, wo man sich zwischen den Instrumenten befindet, sondern auch, welches Instrument gerade spielt.

Dieses 3-dimensionale Erlebnis, auch als „3D Audio“ bekannt, ist keine neue Technik. Dabei geht das Hören über das uns bekannte 5.1 Dolby Surround Format hinaus. Mit der sogenannten Kunstkopfstereophonie wird unser menschliches „Echtzeit-Hören“ nachgestellt. Dank der heutigen Technik ist es möglich, die binauralen (= mit zwei Ohren) Richtungsinformationen digital darzustellen und so schon allein mit den eigenen Kopfhörern ein Rundum-Klangerlebnis zu schaffen.

Sounddesigner Mathis Nitschke und Dirigent Pablo Heras-Casado stellen die App Inside MPhil vor (englisch), Quelle: Münchner Philharmoniker

​Das Konzert in der Tasche

Mathis Nitschke und Bratschist Gunter Pretzel stecken hinter der App, die uns mitten ins Geschehen bringt. Im Fokus der Umsetzung stand zum einen, ein sehr gutes und realistisches Klangerlebnis zu liefern, das in dieser Form noch nicht auf dem Markt zu finden ist. Das liegt laut Nitschke vor allem daran, dass nicht jeder ein Orchester dieser Qualität zur Verfügung hat, um solch eine Idee umsetzen zu können.

Zum anderen ist es vor allem Nitschke wichtig, die Hürde so niederschwellig wie möglich zu halten. Jede und Jeder soll die Möglichkeit haben, die Münchner Philharmoniker auf diese Art und Weise zu erleben. Die App ist ab dem iPhone SE (IOS 11 oder höher) und bei Android ab Version Android 8.0 oder höher funktionsfähig.

​Noch mehr Musik auf Schritt und Tritt

Die Aufnahme der Frühlingssinfonie ist erst der Anfang. Wenn es nach Nitschke geht, soll in noch mehr Parks in München ein solches dreidimensionales Musikerlebnis ermöglicht werden. Vorerst steht im Frühjahr der Englische Garten auf dem Plan. Musikalisch soll die Orchestersuite „Die Planeten“ von Gustav Holst aufgenommen werden.

Wer nicht warten kann und noch weitere interaktive Musikerlebnisse mit einem Spaziergang im Freien verbinden möchte, kann sich an der Isar mit der App „Vergehen“ in eine Oper begeben. Gesang und Cello begleiten den Hörer hier je nach Schrittgeschwindigkeit zwischen 10 und 30 Minuten im Bereich des Kabelstegs Nähe Maximilianeum.

München musikalisch erlaufen und erleben – das ist hoffentlich bald keine Ausnahme mehr! Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten Stücke und genießen bis dahin die Münchner Philharmoniker um den Gasteig herum – auch bei Minusgraden.

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