16. März 2020

Corona als Treiber der Digitalisierung?!


Kategorie: Digital

Ein Beitrag von:

Lisa Zech
Lisa Zech

Annullierte Flüge, abgesagte Veranstaltungen, leere Klassenzimmer und Büros: Maßnahmen, die eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus verhindern sollen. Eine Entwicklung, die plötzlich die Digitalisierung in den Fokus rückt. Wir stellen einige Auswirkungen und Chancen vor.

 

Social Media unterstützt die Corona-Kommunikation

Die Corona-Krise verunsichert derzeit viele Menschen. Gerade deshalb ist eine transparente, schnelle und übergreifende Behördenkommunikation entscheidend.

Hier bieten vor allem die sozialen Netzwerke große Chancen. Denn Social Media ermöglicht es, schnell zu kommunizieren, auf Fragen der Bevölkerung direkt zu antworten und Trends zu erfassen. Außerdem erleichtern die sozialen Netzwerke die Kooperation zwischen verschiedenen Institutionen, Ländern und der Gesellschaft, da sie aktiv eingebunden werden und sich miteinander vernetzen. Ein riesiger Vorteil, der dem aktuellem Rückzug von Behörden aus dem sozialen Netz entgegenzusetzen ist.

Was München angeht, so liefern die Twitter-Kanäle der Stadt München oder der Polizei München gesicherte Erkenntnisse. Twitter selbst hat einen Feed mit aktuellen Neuigkeiten in Echtzeit zur Covid-19 Situation aus vertrauenswürdigen und offiziellen Quellen.

Durch offizielle Berichterstattung können außerdem so genannte Fake-News vermieden werden. Eine große Herausforderung, der sich derzeit beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation (WHO) aktiv stellt. Sie hat eine Kampagne gestartet unter dem Hashtag #KnowtheFacts, um auf die relevanten und richtigen Informationen hinzuweisen und die Social Media User dazu zu bringen, die Fakten der digitalen Welt genau zu hinterfragen.

Home Office – und es geht doch!

Der Coronavirus fordert allerdings noch einiges mehr als digitale Kommunikation, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Home Office wird zum entscheidenden Faktor.

In Deutschland gibt es bisher keinen gesetzlichen Anspruch auf Home Office. Doch spätestens im Falle eines Corona-Infizierten im Büro, haben Arbeitgeber zum Schutz ihrer Beschäftigten häufig nur noch zwei Optionen: Den Betrieb einstellen oder mobiles Arbeiten von Zuhause ermöglichen. Einfacher gesagt als getan, denn eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt, dass nur wenige Unternehmen auf diesen Schritt technisch vorbereitet sind.

Das verwundert, denn die technischen Möglichkeiten gerade für Büro-Arbeitsplätze sind potentiell vorhanden. Dennoch wurden diese Entwicklungen im Zuge der Digitalisierung oft verschlafen. So hat die Nutzung von Home Office in den vergangenen Jahren nur langsam zugenommen. Von 2013 auf 2017 ist der Anteil der mobil arbeitenden Beschäftigten in privatwirtschaftlichen Bereichen nur um 3 Prozentpunkte auf 21 Prozent gestiegen.

Häufig fehlt in den Organisationen neben der Hardware (Dockingstation, Laptops) vor allem auch die Software, um die digitale Zusammenarbeit zu ermöglichen. Aber sicherlich mangelte es bisher auch an der richtigen Einstellung zu Home Office. Es bleibt zu hoffen, dass auch nach der aktuellen Corona-Krise Home Office eine deutlich stärkere Verbreitung findet.

Virtuelle Meetings, statt Face-to-Face

Das Arbeiten im Home Office hat auch Nachteile: Fehlende soziale Kontakte, mangelnde Sichtbarkeit bei Kolleginnen und Kollegen aber vor allem auch die stark zurück gehende Kontaktpflege mit Geschäftspartnerinnen und -partnern, die für viele Unternehmen erfolgsentscheidend ist. Einige greifen daher auf virtuelle Meetings und Videokonferenzen zurück.

Viele Betriebe verfügen allerdings nicht über die nötige Infrastruktur. Eine Übergangslösung bieten einige Anbieter von digitaler Konferenz-Software. Denn sie stellen als Reaktion auf die Virusausbreitung wichtige Tools kostenlos zur Verfügung. Andere Anbieter haben ihre Zeitbeschränkung für kostenlose Meeting-Versionen aufgehoben. Eine Übersicht über weitere Tools für Events und Veranstaltungen gibt die Seite von hochschulforumdigitalisierung.de.

Wichtig dabei bleibt natürlich immer das Thema Datensicherheit, daher ist diese Aufzählung weder abschließend, noch eine Empfehlung. Dennoch zeigt sich auch hier der Trend zu einer stärkeren Digitalisierung.

Bildung trotz geschlossener Schulen und Universitäten?

Nicht nur der Freistaat Bayern hat beschlossen, alle Schulen und Kindergärten bis zum 6. April zu schließen. Auch der Start des Sommersemesters an vielen Hochschulen verschiebt sich. Was bedeutet das für Kinder, Jugendliche und Studierende?

Während Hochschulen häufig Fernstudiengänge anbieten und so über die Erfahrung und Infrastruktur für ein digitales Lernen verfügen, scheint ein flächendeckender Tele-Unterricht in Schulen undenkbar. Dr. Ilka Hoffmann, Leiterin des Vorstandsbereichs Schule im Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), hat hierzu eine klare Einschätzung: Technik und Methode fehlen!

Bayern gehört zu den Ländern, die über eine digitale Lernplattform verfügen. Diese ist zwar eigentlich nicht für den flächendeckenden Unterricht ausgelegt, sollte es aber Lehrenden in den kommenden Wochen ermöglichen, Lerninhalten bereitzustellen. Doch die Plattform ist seit den Morgenstunden durch DDoS-Attacken lahmgelegt. Das Kultusministerium arbeitet mit Hochdruck daran, verweist aber auf das Lernen per Fernseher. Natürlich gibt es auch einige, oft teure E-Learning Tools die zum Einsatz kommen könnten. Es mangelt aber an einem kostenfreien, stattlich initiierten und übergreifenden Tool. Ein solches könnte beispielsweise die Schul-Cloud des Bundes werden. Hier sollen Schülerinnen und Schüler zukünftig Lerninhalte bearbeiten und Lehrkräfte aktuelle Aufgaben und Themen bereitstellen. Sofern diese Tools zum Einsatz kommen, sind digitale Kompetenzen und Medienbildung nötig.

Weiter sind schon die Bibliotheken, die ein umfangreiches Angebot an digitalen Lesestoff anbieten. In München geht die Anmeldung dafür online. Insgesamt zeigt sich aber auch beim Thema Bildung: Da muss in Zukunft vieles digitaler gehen!

Daten nutzen, um die Ausbreitung zu verhindern: Corona-App

Die Digitalisierung kann aber auch direkt unterstützen. Die medizinische Hochschule Hannover und Ubilabs entwickeln derzeit eine Datenanalyseplattform, um das Infektionsrisiko von Epidemien individuell zu ermitteln. Dabei sollen beispielsweise Corona-Infizierte, den vom eigenen Smartphone erhobenen Standortverlauf anonym zur Verfügung stellen. Auf Basis dieser Daten können anschließend Gebiete mit hohem Ansteckungsrisiko identifiziert werden.

Eine erste Version der App ist bereits fertig. Wie sie funktioniert können Sie hier nachlesen. Um diese in Deutschland anbieten zu können, soll in Kürze eine Crowdfunding-Kampagne gestartet werden.

Höherer Stellenwert der Digitalisierung auch nach Corona?

Es gibt noch weitaus mehr digitale Bereiche, die durch den Coronavirus stark und schnell wachsen. Vom Online-Handel und bargeldlosen Bezahlen über virtuelle Kulturangebote bis hin zu digitalen Prozessen im Gesundheitswesen. Da stellt sich natürlich die Frage: Geschieht durch Corona eine digitale Revolution, die sich auch langfristig festigt? Überlegungen die gut zur Blogparade von Stefan Scheller passen.

Wenn Home Office funktioniert und sich die Beschäftigten daran gewöhnt haben, ist die Rückkehr zur Präsenzpflicht im Büro noch vorstellbar und vor allem durchsetzbar? Wenn man auch virtuell Meetings oder Veranstaltungen durchführen kann, warum wieder zurückgehen zu Dienstreisen?

Es ist also durchaus möglich, dass die Digitalisierung auch nachhaltig einen höheren Stellenwert in der Gesellschaft einnimmt. Eines ist sicher: Die Vorteile des Digitalen bei gleichzeitiger Wertschätzung des sozialen Lebens, werden viele auch nach Corona im Hinterkopf behalten.

1 Kommentar

  1. Wo immer es derzeit praktikabel ist, arbeiten die Angestellten seit Beginn der Krise mittlerweile im Homeoffice. Leider ist dies in vielen Bereichen aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich, wenn der Betrieb irgendwie aufrechterhalten werden soll. Nicht immer, aber oft liegt der wesentliche Grund dafür in der immer noch fehlenden Digitalisierung. Ein Umstand, der den Verantwortlichen oft nur die Wahl zwischen fragwürdigen Alternativen lässt: Den Betrieb ruhen lassen, oder die Gesundheit der Mitarbeiter latent gefährden und damit die Ausbreitung von CorVid-19 zumindest nicht maximal vermeiden helfen.

    Eine in diesen Tagen viel diskutierte Frage ist deshalb, ob die Corona-Krise, wenn sie erst einmal überstanden ist, Auslöser für den längst überfälligen Digitalisierungsschub sein kann. Am Beispiel der von unserem Unternehmen angebotenen E-Rechnungslösungen lässt sich festhalten: Die E-Rechnung an die öffentliche Verwaltung ist längst gesetzlich verankert und die Frist läuft zum 18.4.2020 aus, ohne dass der Großteil der Verwaltungen durchgängige und funktionierende Lösungen hätte. Fehlende Digitalisierung in diesem Bereich verhindert, dass unzählige Mitarbeiter aus der Rechnungsbearbeitung nicht ins Homeoffice geschickt werden können, weil eingehende Rechnungen nach wie vor manuell be- und verarbeitet werden müssen. Notwendig ist das, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, aber auch um die krisengeschüttelten Lieferanten mit der dringend notwendigen Liquidität zu versorgen, damit sie nicht zum Fall für den Rettungsschirm der Regierung werden.

    In der Zeit nach Corona wird es weltweit wirtschaftlich um einen Wiederaufbau in einem vermutlich noch nie dagewesenen Ausmaß gehen. Aber auch da wird das Digitalisierungsversäumnis der Vergangenheit wiederholt und auch noch mehrfach zum Problem: Fehlende Digitalisierung wird einem effizienten und damit schnellen Wiederaufbau wesentlich entgegenstehen und jede Menge vermeidbare Mehrarbeit verursachen. Dadurch wiederum wird viel zu wenig Zeit verbleiben, dieses Versäumnis schnell aufzuholen. Gewissermaßen also eine Art Teufelskreis. Unser Appell lautet daher: nutzen Sie die Zeit der Krise proaktiv! Machen Sie sich den geschilderten Umstand bewusst! Und leiten Sie die nötigen Schritte schnellstmöglich ein!

    [gekürzt wegen Werbung]

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