12. Juli 2021

D21 Digital-Index – Wie steht’s um unsere Digitalkompetenz im Freistaat?


Kategorie: Partner

Ein Beitrag von:

Lisa Zech
Lisa Zech

Co-Autoren­schaft:
Benjamin Wimmer - Benjamin Wimmer

Bereits letztes Jahr haben wir über die Ergebnisse des D21 Digital-Index berichtet. 2021 gab es eine Neuauflage. Diese enthielt eine Sonderauswertung über den Stand der Digitalisierung im Freistaat. Wie sich Bayern in Sachen Informations- und Datenkompetenz, digitalem Kommunikationsverhalten und Offenheit der Bürgerschaft gegenüber digitalen Angeboten so schlägt, sehen wir uns in diesem Beitrag genauer an:

D21 Digital-Index: Nutzungsanstieg durch Corona aber Datenkompetenz auf Vorjahresniveau

Für den Digital-Index 2020/2021 (PDF) wurden bundesweit wieder über 16.000 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren befragt. Ein besonderes Augenmerk lag darauf, dass sowohl „digitale Vorreiterinnen und Vorreiter“ als auch „digital Mithaltende“ und die „digital Abseitsstehenden“ repräsentativ vertreten waren. Merkmale für „digitale Vorreiterinnen und Vorreiter“ sind beispielsweise eine hohe digitale Kompetenz, die umfangreiche Nutzung digitaler Technologien und die Offenheit gegenüber digitalen Innovationen. „Digital Abseitsstehende“ – die im Übrigen stetig weniger werden – haben hingegen selbst keinen Zugriff auf eine Internetverbindung.

Insgesamt wurde im D21 Digital-Index anhand von vier Themenkomplexen der Digitalisierungsgrad der deutschsprachigen Bevölkerung ermittelt – mit folgenden Ergebnissen:

  • Zugang zur Digitalisierung: Insbesondere durch das mobile Internet steigt die Nutzung von Technologien. Insgesamt 88 Prozent sind online, davon 80 Prozent auch mobil.
  • Nutzungsverhalten: Im Vergleich zum Vorjahr zeigt der D21 Digital-Index über alle digitalen Dienste hinweg einen Anstieg in der Nutzung, was unter anderem auch auf die reduzierten Offline-Möglichkeiten in Zeiten der Corona-Beschränkungen zurückgeführt wird. Besonders Streaming-Dienste, digitale Lernangebote und Sprachassistenten wurden deutlich mehr nachgefragt.
  • Digitale Kompetenz: Die Kompetenz lag laut Index in etwa auf Vorjahresniveau, Tendenz leicht steigend. In kommunikativen Aspekten, insbesondere im Umgang mit Smartphones, waren die Werte am höchsten. Hingegen sind die Kompetenzen der Nutzerinnen und Nutzer im Kontext der Inhaltserstellung und insbesondere hinsichtlich der Problemlösungskompetenz ausbaufähig. Erschreckend: Nur 26 Prozent der weniger Gebildeten erkennen unseriöse Nachrichten.
  • Offenheit gegenüber Digitalisierung: Gut die Hälfte der deutschsprachigen Bevölkerung ist laut Digital-Index daran interessiert, ihr digitales Wissen auszubauen und glaubt, persönlich von der Digitalisierung zu profitieren. Ungefähr ein Drittel sieht darin aber auch eine Gefahr für die Demokratie.

Die folgende Grafik zeigt zusammengefasst den ermittelten Reifegrad je Themenkomplexen, sowohl im Bundesdurchschnitt als auch in Bezug auf den Freistaat Bayern:

D21-Digitalindex Bayern

Themenkomplexe des D21 Digital-Index. Bayern im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, Quelle: Initiative D21/KANTAR

Sonderauswertung zeigt, wo Bayern steht

Die Sonderauswertung Bayern (PDF) verschafft einen Überblick, wie Bayern sich im Verhältnis zu Deutschland im Kontext der Digitalisierung entwickelt. Im Allgemeinen wird deutlich, dass die Menschen in Bayern den digitalen Möglichkeiten gegenüber aufgeschlossener sind als der bundesdeutsche Durchschnitt. So glauben 66 Prozent der Befragten in Bayern, dass sie von der Digitalisierung profitieren. Der durchschnittliche Wert aller Befragten liegt bei 56 Prozent. Einzig bei der Nutzung von digitalen Fitness- und Gesundheitsangeboten liegen die bayerischen Ergebnisse mit 30 Prozent unter dem Durchschnitt von 32 Prozent. Im Folgenden einige weitere Ergebnisse der Sonderauswertung des D21 Digital-Index im Überblick:

D21 Sonderauswertung Bayern

Nutzung von Computer- und Internetanwendungen. Bayern im Vergleich zu Deutschland, Quelle: Initiative D21/KANTAR

D21 Digital-Index zeigt ungenutzte Potentiale

Trotz des vergleichsweise guten Ergebnisses im Freistaat zeigt die Auswertung noch viele ungenutzte Potentiale auf. Es besteht beispielsweise die Gefahr, dass Menschen mit niedriger formaler Bildung und ohne Berufstätigkeit im Kontext der Digitalisierung abgehängt werden. Zwar hat auch dieser Teil der Bevölkerung einen Anstieg der Internetnutzung von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen, nicht zuletzt wegen der vergleichsweise gut ausgebauten Infrastruktur in Bayern. Dennoch nutzen weniger gebildete Personen das Internet im Durchschnitt nur zu 70 Prozent gegenüber 98 Prozent der gut gebildeten Personen.

Auch im Bezug auf Alter und Geschlecht ergeben sich Handlungsfelder: Betrachtet man die verschiedenen Altersgruppen, so sind die 14- bis 49-jährigen nahezu alle im Internet aktiv, die 60- bis 69-jährigen lediglich zu 85 Prozent. Bei den über 70-jährigen sinkt die Quote auf 52 Prozent. Tendenziell nutzen Männer mit 91 Prozent das Internet stärker als Frauen, bei denen der Wert lediglich bei 84 Prozent liegt.

Weiteren Handlungsbedarf zeigt die Auswertung für das Top-Thema „digitale Unterricht“. Viele der befragten Personen gaben beispielsweise an, dass nur der Austausch der Lehrmaterialien digital war, die Materialien selbst und deren Bearbeitung aber analog blieb. Die digitalen Lehrmittel selbst bekamen von den Schülerinnen und Schülern deutlich bessere Bewertungen als von den Lehrkräften und Eltern.

Es bleibt also weiterhin viel zu tun, um eine mündige und souveräne Teilhabe aller Menschen in Bayern am digitalen Raum zu ermöglichen.

1 Kommentar
  1. Hallo,

    „glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“ – wie repräsentativ ist das denn wirklich? Und liegt es vielleicht an Einkommensgefälle, Altersstruktur oder noch anderen Faktoren?? Und letztlich ist der Unterschied nicht wirklich groß.

    Daneben gibt es auch noch große Probleme: z.B. auch beim Mindeset in den und der Zusammenarbeit untereinadender bei den Behörden: Der Grundsatz „Zuständigkeit prüfen und Aufgaben weiterschieben“ sollte mal überdacht werden.

    Aktuelles Beispiel aus der Praxis: Es gab einen Fehler in der einer Anwendung des Bundesamtes für Justiz. Darauf wird von der LHM und der Bayern-App verlinkt. Als dann endlich in Zusammenarbeit zwischen dem betroffenen Bürger und dem Bayerischen Ministeriu der Fehler gefunden wurde, wurde der Bürger, bei dem der Fehler aufgetreten war, an das Bundesamt verwiesen und sollte dort den Fehler melden.

    Warum in aller Welt sagt das Bayerische Ministerium nicht beim Bürger danke und meldet den Fehler selbst? Screenshots und der ganze Vorgang lagen dem Ministerium doch vor? Der Bürger, der nicht einfach den Krempel hingeschmissen hat, sondern den Fehler meldete und mitarbeitete an der Fehlersuche – wurde also aufgefordert, weitere Freizeit in diesen Fehler zu investieren.

    Man kann es auch anders sehen: Ein zentraler Service, der viele tausend Nutzer haben sollte, hat einen Fehler. Und als der Fehler einer Behörde bekannt wird, nimmt sie nicht die Beine in die Hand, um den Fehler so schnell wie möglich beheben zu lassen? Wenn das auch andere Services trifft, dann sind wir noch weit von guter Digitalisierung entfernt.

    Und wenn es wirklich so sein sollte, dass im Bundesministerium die Eingaben von Bürgern ernster genommen werden (was noch abzuwarten ist) als Eingaben der Kollegen aus Bayern, was ist dass den für ein Verständnis von der Durchgängigkeit von digitalen Services?

    Viele Grüß1!

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