DAVe: Neues Fachverfahren zur Auswertung von Verkehrs­zählungen

18. Oktober 2021
Ein Beitrag von Monica Neuböck

Seit 1989 werden Zählungen zur Verkehrsbelastung in München digital erfasst. Inzwischen sind Daten aus über 5000 Zählungen in Datenbanken gespeichert. Jetzt wird die vorhandene Anwendung zur Verwaltung und Auswertung abgelöst von DAVe: einem modernen, vom Eigenbetrieb it@M agil entwickelten Fachverfahren. Erfahren Sie mehr:

Im Auftrag der Stadt München werden an über 2000 Zählstellen vorbeifahrende PKWs, Motorräder, Busse, LKWs, Fahrräder und seit kurzem auch vermehrt der Fußverkehr gezählt. Mit Hilfe dieser erhobenen Daten ist es den Beschäftigten im neu gegründeten Mobilitätsreferat möglich, die Verkehrsentwicklung in München zu dokumentieren und zu analysieren.

Im Wesentlichen wird der Datenpool zur Analyse der Verkehrsentwicklung, für die Verkehrs- und Bebauungsplanung sowie zur Bemessung von Verkehrsanlagen und deren Leistungsfähigkeit verwendet. Also, um beispielsweise Antworten auf Fragen zu finden wie: „Welche Ampelphasen braucht man in einem Wohngebiet, damit die Anwohnerinnen und Anwohner zeitnah und sicher über die Kreuzung kommen?“ oder „Wie soll der Straßenraum bedarfsgerecht gestaltet werden?“.

Tabelle der Tunnelstandorte

Übersichtskarte der Zählstellen im Stadtgebiet München; Quelle: LHM

Die vor über 20 Jahren gekaufte Fachanwendung zur Auswertung der Erhebungsdaten wies inzwischen nicht nur grundlegende Defizite in der Darstellung und im Datenmanagement auf. Auch eine Weiterentwicklung der Software war nicht zielführend. Eine Ablöse durch ein modernes Fachverfahren war also dringend geboten. Zusammen mit den Fachbereichen des Planungs– und Mobilitätsreferates entschied sich der Service- und Technologieprovider it@M für eine Eigenentwicklung: Im April 2020 startete das Projekt DAVe „Datenbank und Auswertung von Verkehrszählungen“ mit einer geplanten Produktivsetzung für Juli 2021.

Entwicklung von DAVe in Sprints: Win-Win für Alle

Die Bearbeitung der Anforderungen und der darauf basierenden Entwicklung von DAVe stand ganz unter dem Motto „weg vom Fachkonzept, hin zur agilen Entwicklung“. Am Anfang der Projektphase hatte das it@M-Team einen Prototyp der Benutzeroberfläche erstellt, um dem Fachbereich besser veranschaulichen zu können, was technisch möglich ist. Auf dieser Basis wurde das weitere Aussehen geplant und an die Wünsche und Vorstellungen des Fachbereiches angepasst. Entwickelt wurde die Anwendung mit der bei it@M festgelegten Referenz-Architektur: Java Spring Boot im Backend, TypeScript und Vue.JS im Frontend.

Die Entwicklungsphase bestand aus insgesamt 19 Sprints, die jeweils drei Wochen dauerten. Vor Beginn eines Sprints wurde der Inhalt in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich geplant und etwaige fachliche Fragen vorab geklärt. Immer am Ende eines Sprints sind die Ergebnisse präsentiert und von den Fachbereich-Teams abgenommen worden. Gab es Änderungswünsche, wurden diese sofort in die nächste Planung mit aufgenommen.

Nach und nach kristallisierten sich weitere Anforderungen heraus, wie zum Beispiel die Einführung eines Self-Service-Portals für den externen Zähldienstleister. Damit ist es möglich, alle Informationen zu den beauftragten Zählungen im Portal bereit zu stellen und über eine Chat-Funktion direkt mit den Auftraggebern in Kontakt zu treten. Rita Besenthal, Product-Owner im Mobilitätsreferat, ist begeistert:

Aufgrund der agilen Vorgehensweise waren wir von Beginn an in die Entwicklung eingebunden und konnten aktiv an der Gestaltung von DAVe mitwirken. Der Austausch und die Zusammenarbeit mit dem Entwicklungsteam waren hervorragend. DAVe bietet heute Funktionen, die wir uns anfangs nicht vorstellen konnten, die Anwendung aber nun abrunden.

Daten-, Admin- und Self-Service-Portal zugleich

DAVe wurde Anfang Juli 2021 in der vorgegebenen Zeit und mit hoher Kundenzufriedenheit fertiggestellt. Dem Mobilitätsreferat steht somit ein Fachverfahren mit drei Modulen für die unterschiedlichen Zielgruppen zur Verfügung:

  • Ein Datenportal zur Analyse und Visualisierung der Daten. Zählstellen können beispielsweise über eine Karte der Stadt verortet und Verkehrszählungen mittels einem Belastungsplan visualisiert werden.
  • Ein Admin-Portal für Administratorinnen und Adminstratoren dient zur Verwaltung, Neuanlage und Beauftragung von Zählungen.
  • Ein Self-Service-Portal ermöglicht den externen Dienstleistungsunternehmen, die beauftragen Zählungen einzusehen und die erfassten Verkehrsdaten hoch zu laden.

Ein wesentliches Element der Anwendung stellt für alle Nutzenden der sogenannte Belastungsplan dar. Damit können – je nach Bedarf – unterschiedliche Verkehrsmengen an Kreuzungen, Einmündungen oder Kreisverkehren schematisch dargestellt werden. Angesichts der Vielzahl an Möglichkeiten war dies sowohl eine fachliche, als auch eine technische Herausforderung, die von der Entwicklungsseite bestens gelöst wurde.

Überblick Tunnelnetzwerk

Beispiel für einen Belastungsplan an einer Kreuzung; Quelle: LHM

Für Gerd Reiß, Fachanwender im Mobilitätsreferat, liegen die Vorteile von DAVe für die Fachabteilung klar auf der Hand:

Gegenüber des Altsystems brauchen wir nur ein Viertel der Zeit, um eine Zählstelle zu finden und die Zähldaten aufzubereiten. Ein Klick auf den Snapshot-Button und das PDF-Dokument ist da. Das ist schon praktisch.

Das in jeder Hinsicht erfolgreich abgeschlossene Projekt ist für alle Beteiligten eine erneute Bestätigung für den Erfolg der agilen Vorgehensweise in der Stadt München. Letztlich profitiert aber nicht nur die Stadtverwaltung von den Verkehrsauswertungen bei DAVe. Viele Daten fließen aus dem Verfahren auch in die Verkehrsmengenkarte, auf der interessierte Bürgerinnen und Bürger die Verkehrsbelastungen auf Münchner Straßen online einsehen können.

Kommentare (2)


  1. Ja, eine Veröffentlichung des Quellcodes ist geplant. Wir arbeiten aktiv an der Umsetzung der Verwaltungscloud-Strategie mit. Konkret im Handlungsfeld 7, das ein öffentliches Code-Repository für die Verwaltung vorsieht. Das Repo wird in den nächsten Monaten zur Verfügung stehen. DAVe wollen wir dort veröffentlichen.

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  2. Wird der Quellcode unter einer öffentlichen Lizenz veröffentlicht? Das Projekt wurde mit Steuergeldern finanziert und sollte auch für die Öffentlichkeit nutzbar sein!

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Monica Neuböck
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Monica Neuböck
Co-Autoren­schaft:
Alexander Kerscher,
Entwickler und Technical Requirements Engineer, it@M