Digitales Lernen: Erfahrungen der Stadtverwaltung München

2. März 2022
Ein Beitrag von Michaela Reichelt

Die Digitalisierung stellt neue Anforderungen an alle städtischen Beschäftigten: Sachverhalte werden komplexer, Veränderungsintervalle kürzer und die digitalen Kompetenzen entscheidender. Es sind Innovation, Kreativität und Mut gefordert, um neue Herausforderungen zu meistern. Zudem braucht es Führungskräfte, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Verantwortung und Entscheidungsspielräume übertragen, sie auffordern, neue Wege zu gehen und Fehler zuzulassen. Im Blogbeitrag berichtet unsere Kollegin Michaela Reichelt, wie die Landeshauptstadt München mit diesen Herausforderungen umgeht.

Neue Formate für neue Herausforderungen

​Die Digitalisierung hat unsere Arbeit in den letzten Monaten von Grund auf verändert und wird dies weiter tun. Damit Beschäftigte auch in Zukunft gut und gesund arbeiten können, war und ist es die Aufgabe der Fortbildung, sie auf die Transformation vorzubereiten. Dabei unterstützen neue Formate wie Web-Seminare, E-Learnings, Videos und Podcasts, die sowohl im Homeoffice als auch am Büroarbeitsplatz funktionieren, flexibles, individuelles, selbstorganisiertes und ortsunabhängiges Arbeiten. Durch eine Vielfalt an Angeboten bei der Landeshauptstadt München bekommen alle Mitarbeitenden die Möglichkeit, das persönlich passende Format zu finden.

Zu den wichtigsten Themen der letzten Monate zählten bei der Landeshauptstadt München digitale Kompetenzen wie Arbeiten im Homeoffice, Digital Leadership, virtuelles Arbeiten im Team, gesund bleiben im Homeoffice, virtuelle Feedbackkultur, aber auch der technische Umgang mit den digitalen Tools. Beispielsweise sind Methoden für digitale Workshops oder Präsentieren im virtuellen Raum gefragt.

Themen, die in der Mitarbeiterschaft aufkommen, wurden bedarfsgerecht und schnell in Kurzformaten umgesetzt. Dazu zählt “Digi.Chats”, ein Austauschformat für Beschäftigte ohne fachlichen Input. “Digi.Impulse” ist wiederum ein kurzer fachlicher Impulsvortrag mit anschließendem Austausch und Netzwerken. In Hinblick auf Digitalisierungsthemen hat sich in den vergangenen Monaten auch das Format Learn@Lunch in der Verwaltung und darüber hinaus etabliert.

Eigenverantwortliches Lernen

Ziel war es hierbei immer, den Beschäftigten aufzuzeigen, wie wichtig das Netzwerken und der gegenseitige Austausch über die eigentliche Veranstaltung hinaus ist, um mehr Verantwortung für die eigene Entwicklung zu übernehmen. Diese Hilfe zur Selbsthilfe wird beispielsweise durch digitale und analoge Coachings für Führungskräfte, Angebote zur psychischen Gesundheit sowie virtuellen Arbeitsräumen und FAQs zu konkreten Fragestellungen unterstützt.

Wichtig in der neuen Arbeitswelt sind Vertrauen und Wertschätzung, da durch den fehlenden direkten Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen eine neue Art der Zusammenarbeit entstehen muss. Diese Werte werden als Basis in den Führungskräfteschulungen aufgegriffen und gemeinsam weiterentwickelt. Zusätzlich sind es die Themen Neue Führung, New Work und Resilienz, die stark nachgefragt werden.

Neue Rollen im Digitalen Lernen

Durch die Entwicklung, die das Digitale Lernen in den letzten Jahren genommen hat, sind auch in der Fortbildung selbst völlig neue Rollen entstanden. Galt es früher ein Seminar zu konzipieren und dann zu organisieren, so braucht es heute noch eine Vielzahl an zusätzlichen Rollen für die Erstellung und Betreuung der digitalen Angebote:

  • Medienpädagoginnen und Medienpädagogen kümmern sich um das richtige Format zum Thema und planen die Umsetzung.
  • E-Learning Autorinnen und Autoren erstellen digitale Angebote. Dabei werden Fähigkeiten in der Videoerstellung (Technik, Storyboard, Schnitt) verlangt.
  • Community Managerinnen und Manager, betreuen die Lernenden in ihren Netzwerken und fördern so den kontinuierlichen Austausch.
  • Marketing Managerinnen und Manager sowie Redakteurinnen und Redakteure, die Angebote insbesondere über unser städtisches Social Intranet an die Beschäftigten bringen und sie zur Teilnahme motivieren.

Erkenntnisse und Herausforderungen für die nächste Zeit

Auf Basis unserer Erkenntnisse aus den letzten zwei Jahren können wir festhalten:

  • Es geht viel mehr als zunächst angenommen. Einige Themen, die wir vorab als „nicht digital umsetzbar“ angesehen haben, wurden auf dem Weg gebracht und erhielten mehr Zuspruch, als erwartet.
  • “Digital” ist sehr vielseitig und spricht damit die unterschiedlichen Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an.
  • Die digitale Welt erfindet sich immer neu. Dabei ermöglicht und fordert sie uns, schnell auf Neuerungen zu reagieren.

Dennoch stehen wir mit dem Digitalen Lernen noch vor großen Herausforderungen. Denn es gilt, alle Beschäftigten mitzunehmen – auch diejenigen, die Berührungsängste haben und technisch nicht so versiert sind. Das bedarf großer Überzeugungsarbeit in einer Kultur, in der Fortbildung in den Köpfen immer noch in Präsenzveranstaltungen stattfindet, damit die digitalen Formate auch als Fortbildungen angesehen werden.

Außerdem ist es unser Ziel, unser Angebot noch mehr an die Bedarfe der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzupassen. Sollten wir wieder in eine Art Normalbetrieb nach Corona kommen, müssen wir uns die Frage stellen, welche Formate digital bleiben sollen und welche wieder in Präsenz stattfinden werden. Zusätzlich wird dann das Thema hybride Veranstaltungen stark aufkommen, wo es uns aktuell noch an guten technischen Voraussetzungen dafür fehlt.

Digitales Lernen – unser Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Lernen digital, individuell, flexibel und selbstorganisiert werden soll und die Landeshauptstadt München bereits einen guten Schritt in diese Richtung gegangen ist. Das digitale Angebot ist eine gute Option für Teilzeitbeschäftigte und Familienbetreuung. Der Wegfall der Anfahrten ist ein immenser Zeit- und Umweltfaktor und die bessere Einbindung in den Arbeitsalltag durch kürzere digitale Formate macht das Angebot attraktiv. Durch diese Einbindung gelingt es auch besser, das Lernen als Teil der Arbeit zu sehen und hierbei die Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch Netzwerke und Hilfe zur Selbsthilfe zu nutzen.

Persönlich ist es mein wichtigstes Ziel, dass die Beschäftigten ihre digitalen Kompetenzen nicht „an der Tür zur Arbeit abgeben“, sondern diese Kompetenz einbringen. Denn viele von uns handeln im privaten Bereich bereits sehr viel digitaler als in der Arbeit.

1 Kommentar


  1. Herausforderung ist die richtige Bezeichnung

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Michaela Reichelt - Leiterin Digitalisierung des Lernens und Marketing im Personal- und Organisationsreferat München
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Michaela Reichelt
Leiterin Digitalisierung des Lernens und Marketing im Personal- und Organisationsreferat München