17. Juli 2019

Digitalisierung als gemeinsames Zukunftsthema: Nürnberg, Augsburg und München unterzeichnen Kooperations­vereinbarung


Kategorie: Partner

Ein Beitrag von:

Lisa Zech
Lisa Zech

Co-Autor:
Benjamin Wimmer - Benjamin Wimmer

Wie werden wichtige Stakeholder aus Stadt und Region in Zukunft in die Digitalisierung der Verwaltung eingebunden? Welche aktuellen Initiativen der Bundes- oder Landesregierung gibt es und welche Auswirkungen haben diese auf bayerische Kommunen? Und wie werden wir zukünftig mit den Daten unserer Bürgerinnen und Bürger umgehen?

Diese und weitere zentrale Fragen standen im Mittelpunkt beim gestrigen Auftakt des Kooperationsbündnisses Nürnberg-Augsburg-München im Münchner Rathaus.

Ein sichtbares Zeichen der Zusammenarbeit

Am 16. Juli waren die Digitalisierungsverantwortlichen der drei größten Kommunen Bayerns auf Initiative der Landeshauptstadt in München zusammengekommen. Dabei hatten sie ein Ziel: Sich bei der erfolgreichen Gestaltung der Digitalisierung zukünftig in einem verbindlicheren und intensiveren Kooperationsverhältnis gegenseitig zu unterstützen. Harald Riedel, Referent für Finanzen, Personal, IT und Organisation der Stadt Nürnberg, Frank Pintsch, Stadtdirektor der Stadt Augsburg, und Thomas Bönig, IT-Referent und CDO der Landeshauptstadt München, unterzeichneten dazu im Münchner Rathaus ein Memorandum of Understanding zur künftigen Kooperation auf strategischer und inhaltlicher Ebene. Damit setzen die drei Städte ein sichtbares Zeichen, für eine enge und kooperative Zusammenarbeit im Rahmen der Digitalisierung.

 

Super Bild

Frank Pintsch (Augsburg), Thomas Bönig (München) und Harald Riedel (Nürnberg) mit der Kooperationsvereinbarung, Quelle: RIT

Kooperationsverereinbarung als Grundlage für umfassenderen Kompetenz- und Erfahrungsaustausch

Ausgangspunkt für das Bündnis ist – so der Wortlaut der Vereinbarung – die gemeinsame Erkenntnis, dass auf alle drei Städte zunehmend große Herausforderungen in der Digitalisierung zukommen. Dabei sind die finanziellen Möglichkeiten jeder einzelnen Stadt für sich allein sehr begrenzt. Darüber hinaus teile man das Schicksal eines großen Fachkräftemangels im Bereich der IT. Es bedürfe daher neuer Lösungsansätze, um auch zukünftig den Anforderungen der kommunalen Aufgaben im IT-Umfeld gerecht werden zu können. Dazu soll nun die Kooperation beitragen. Die Ergebnisse einzelner Untersuchungen und Projekte sollen dabei, im Rahmen des geltenden Rechts, den jeweils anderen Städten zur Verfügung gestellt werden, um einen möglichst effektiven Einsatz von Steuergeldern und anderen Ressourcen sicherzustellen.

Gemeinsam Herausforderungen meistern

Nach der gemeinsamen Unterzeichnung des Memorandums und einem Grußwort von Bürgermeister Manuel Pretzl, der dem Bündnis auch seitens der Stadtregierung der Landeshauptstadt ein gutes Gelingen wünschte, wurden die konkreten Ansatzpunkte für mögliche Kooperationen ausgelotet. Zunächst sollen in weiterem Austausch Bereiche konkreter Kooperationen identifiziert und gegebenenfalls in einem entsprechenden Addendum zur Kooperationsvereinbarung fixiert werden.

Bevor es in die Diskussion ging, stellte Dr. Marlen Jurisch seitens der Landeshauptstadt den Münchner Digitalisierungsradar vor: Ein Tool, das durch grafische und verdichtete Darstellung, die sonst fast unüberschaubare Landschaft der Münchner Digitalisierungsvorhaben erfassbar macht und diese den drei Kernbereichen der Digitalisierungsstrategie zuordnet.

Prall gefüllte Ideenlisten

Alle drei Städte starteten mit prall gefüllten Ideenlisten in die Diskussion. Thomas Bönig eröffnete mit dem Vorschlag, einen regelmäßigen Austausch von Auszubildenden zwischen den Städten zu etablieren, um ihnen einen Einblick in die Arbeitswelt der jeweils anderen zwei Verwaltungen zu ermöglichen. Der Austausch soll verbunden sein mit der „Mission“, durch sie eine vielleicht progressivere und digital affinere Kultur und Herangehensweise an den Arbeitsplatz der Zukunft jeweils „importieren“ zu lassen. Denn der Kulturwandel sei ein erfolgskritischer Faktor im Rahmen der digitalen Transformation. Natürlich muss es dafür institutionell ermöglicht werden, Dinge auszuprobieren und zu testen, wie zum Beispiel im Münchner Innovationscenter.

 

Harald Riedel betonte anschließend die Notwendigkeit, beim Thema Bürgerkonto einen intensiven Austausch zu etablieren. Es werde in Nürnberg derzeit heiß diskutiert, inwieweit man einen Single-Sign-On auch für die städtischen Tochterunternehmen über MyNürnberg ermöglichen solle. Beim Münchner M-Login würden ja aktuell ähnliche Fragestellungen diskutiert. Als weiteres wichtiges Handlungsfeld, bei dem sicher im Austausch zwischen den Kooperationspartnern Best Practices und Lösungsansätze geteilt werden könnten, sei das Thema Datenmanagement zu nennen. Alle drei Kommunen stünden vor dieser Herausforderung, Datensilos aufzulösen und entsprechende Plattformen zu schaffen. Diese könnten dann auch durch Startups und weitere städtische Akteure genutzt werden.

Urschrift der Kooperationsvereinbarung kurz nach der Unterzeichnung, Quelle: RIT

Das Thema Bürger- und Unternehmenskonto wurde auch durch Frank Pintsch, Stadtdirektor der Stadt Augsburg, in seiner Relevanz für den Austausch im Rahmen der Kooperation unterstrichen. Seine provokative Frage:

Was macht der Augsburger Bürger, der heute nach Nürnberg zieht? Und was wird er idealerweise in Zukunft zu tun haben, wenn wir digitale Transformation unserer Verwaltungen abgeschlossen haben?

Auch wenn das Thema Bürgerkonto aufgrund seiner rechtlichen Komplexität sicher nicht schnell zu regeln sei, so könne und sollte man sich immerhin kurzfristig zum Thema Unternehmenskonto im Rahmen der Kooperation konkretere Gedanken machen.

Keine Konkurrenz sondern gemeinsame Nutzung von Chancen

Weitere Schwerpunkte der Kooperation könnten im Thema Wissensmanagement und E-Learning liegen, wo ein profunder Austausch bezüglich entsprechender Tools sehr erwünscht sei. Was Frank Pintsch dabei besonders wichtig war: Die Städte stehen hierbei in keiner Konkurrenz zueinander, sondern können gemeinsam die Herausforderungen meistern und die großen Chancen nutzen. Mit einer starken Kooperation haben wir die Möglichkeiten, den Weg der digitalen Transformation für alle – nicht zuletzt auch für die städtischen Kolleginnen und Kollegen – gewinnbringend zu gestalten.

Mehrwerte schaffen, sowohl für die Bürgerschaft als auch für die städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Diese zwei Sichten auf die Wirkung der Kooperation, sowohl Richtung Bürgerinnen und Bürger, wie auch Richtung Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltungen, prägte den weiteren Verlauf des Austausches. Thomas Bönig bot den beiden Kooperations-Kommunen an, sich einen umfassenden Einblick in WILMA, das soziale Netzwerk der Münchner Stadverwaltung, zu verschaffen und gerne alles für sich zu adaptieren, das für sie jeweils sinnvoll sei. So würden sie sich etwa ein halbes bis ganzes Jahr Entwicklungsarbeit sparen. Das sei Münchens konkretes Angebot, mit dem sie schon heute fest rechnen könnten.

 

„Kooperationen sind ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg bei der Digitalisierung. Wir müssen bei der digitalen Transformation deutlich an Geschwindigkeit zulegen, um in einer immer mehr digitalen Stadtgesellschaft und Bürgerschaft, Angebote und Dienstleistungen anbieten zu können, die in die heutige Zeit passen. Durch eine gemeinsame und abgestimmte Vorgehensweise können wir effizienter und schneller agieren sowie vom gemeinsamen Erfahrungsaustausch erheblich profitieren.“

(Thomas Bönig)

Daseinsvorsorge bleibt auch in Zeiten der Digitalisierung die zentrale Aufgabe

Am Ende waren sich alle einig: Die Daseinsvorsorge für alle Bürgerinnen und Bürger bleibt auch in Zeiten der Digitalisierung die zentrale Aufgabe für Städte. Dies gilt vor allem für die urbanen Zentren, zu denen die drei größten Städte Bayerns zählen. Vielfältige Fragen rund um die Modernisierung der Verwaltung stehen an, und die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der Städte für alle Bürgerinnen und Bürger, die Wirtschaft und die Wissenschaft müssen gesichert werden. Hier gilt es, die enormen Chancen und Potenziale der Digitalisierung beherzt zu nutzen. Denn diese beeinflusst maßgeblich unsere Innovations- und Handlungsfähigkeit.

Die drei größten Städte Bayerns haben also sich jetzt im Informationszeitalter zusammengetan, um gemeinsam für ihre Bürgerinnen und Bürger in den nächsten Jahren die Digitalisierung erfolgreich und zielgerichtet zu gestalten. Wir sind gespannt, welchen Mehrwert wir alle durch dieses Bündnis in Zukunft schaffen können.

1 Kommentar

  1. Hoffentlich wird es auch richtig gemacht wie z.b in Houston

    Schaut euch IOTA an und zeigt Inovationsfaehigkeit

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