15. August 2020

Digitalisierung des Lernens


Kategorie: Digital


Ein Gastbeitrag von:
Michaela Reichelt, - Aus- und Fortbildungszentrum, Landeshauptstadt München Michaela Reichelt,
Aus- und Fortbildungszentrum, Landeshauptstadt München

Die Corona-Krise hat die Art und Weise, wie wir lernen, verändert. Seminare, Workshops, Weiterbildungen, Kongresse und Messen mussten jetzt digital stattfinden. Aber digital lehren und lernen – geht das überhaupt? Michaela Reichelt vom Aus- und Fortbildungszentrum der Stadt München berichtet von ihren Erfahrungen in der Umstellung von Präsenz auf Online.

Was sind die Chancen und Herausforderungen der digitalen Fortbildung?

Die Digitalisierung verändert die Aus- und Fortbildung der Landeshauptstadt München in vielen Bereichen. Einige Seminare finden inzwischen komplett digital statt. Und die Vielfalt an Fortbildungsmöglichkeiten hat sich durch Lernvideos, Chats, Apps und Podcasts erweitert.

Die Digitalisierung hat aber auch nicht zu unterschätzende Herausforderungen für die Mitarbeitenden und Führungskräfte mit sich gebracht, auf die die Fortbildung inhaltlich Antworten liefern muss. Beispielhaft seien hier Führen aus der Ferne, digitale Kommunikation, soziale Vereinsamung sowie Entgrenzung von Arbeit und Freizeit genannt.

Online statt Präsenz

All das ist uns zwar nicht neu, doch hat es in den letzten Monaten rasant an Fahrt aufgenommen. Während wir Anfang des Jahres von einem Tool für Videokonferenzen nur träumen konnten, steht es nun zur Verfügung. So konnten wir in den letzten Wochen in Windeseile mit einem Angebot an Online-Seminaren starten. Das war auch dringend nötig, denn die aktuelle Lage zwang uns, alle Präsenzseminare abzusagen. Aus diesem Grund konzentrierten wir uns zunächst hauptsächlich darauf, abgesagte Präsenzseminare durch Online-Seminare zu ersetzen.

Da Präsenzseminare nicht eins zu eins in einem Online-Format umgesetzt werden können, brauchte es viel Flexibilität und Mut zum Ausprobieren. So waren wir beim Start selbst noch etwas skeptisch, wie die schnell angesetzten Online-Seminare wohl ankommen würden. Doch die Teilnehmenden gaben uns größtenteils ein sehr gutes Feedback und wir konnten viele Erkenntnisse aus den Rückmeldungen ziehen – vor allem was Lösungen für technische Herausforderungen angeht.

Die Nachfrage nach Soft Skills der Digitalisierung, wie Digital Leadership, Kommunikation und Feedback aber auch Moderation von Videokonferenzen holten uns sehr schnell ein. Daher setzten wir in einem zweiten Schritt in den Online-Seminaren vermehrt auf diese Themen. So hatten wir innerhalb weniger Wochen ein Angebot aufgebaut, das zwar noch nicht sehr umfangreich, aber doch abwechslungsreich war.

Erfahrungen aus der ersten Phase der Digitalisierung des Lernens

Nun heißt es die erste, unter großem zeitlichem Druck betriebene Phase abzuschließen und die Erfahrungen in den Alltag zu überführen. Wir haben viel gelernt:

  • Web-Seminare müssen eigens konzeptioniert und didaktisch in ein Gesamtkonzept eingebaut werden. Der reine Ersatz für ausgefallene Präsenz reicht nicht.
  • Kompetenzen für digitale Inhalte müssen in den eigenen Reihen aufgebaut werden. Wissen im Umgang mit der Technik, Videoerstellung oder Medienpädagogik sind hier zu nennen.
  • Die stadtweite technische Ausstattung muss dringend ausgebaut werden. Dies betrifft Hardware für die Erstellung von Videos sowie passende Software für Web-Seminare, Videoerstellung und -schnitt.
  • Unser wichtigstes Projekt ist nun die Einrichtung eines Digitalstudios, damit wir in Zukunft Videos in guter Qualität selbst produzieren und noch viele weitere Formate entwickeln können.

Gemeinsam die Digitalisierung voranbringen

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Erfahrungen beschäftigen wir uns im Projekt „Gemeinsam in die digitale Zukunft“, das im Rahmen der internen Qualifizierungsreihe „Potenziale fördern, Persönlichkeit bilden“ Anfang dieses Jahres gestartet wurde, mit folgenden Fragen:

  • Welche Chancen und Herausforderungen bringen neue Arbeitsformen wie Homeoffice mit sich?
  • Was bedeuten agile Führung und Digital Leadership?
  • Welche Kompetenzen braucht es und wie werden die Beschäftigten fit für die neue Arbeitswelt?

Die Corona-Pandemie konfrontierte auch die Stadtverwaltung mit großen Herausforderungen und die Projektidee erfuhr dadurch eine neue Aktualität und Relevanz. Die Notwendigkeit von Social-Distancing führte dazu, dass viele Bereiche von heute auf morgen auf Homeoffice umstellten. Dadurch können wir heute auf weitaus mehr Erfahrungswerte zurückgreifen.

Ursprünglich hatten wir geplant, die Themen in einem großen Workshop gemeinsam mit Führungskräften und Beschäftigten der Stadtverwaltung zu diskutieren. Der ursprüngliche Plan, Präsenzformate einzusetzen, konnte nicht umgesetzt werden. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, das Projekt über einen Arbeitsraum im Social Intranet zu realisieren. Über Diskussionsforen, Chats und eine Online-Umfrage konnten wir zum einen Erfahrungswerte aufgreifen und zum anderen einen Dialog mit und zwischen den Beschäftigten ermöglichen. Uns freut es sehr, dass sich innerhalb kürzester Zeit über 200 Personen gefunden haben, die Lust hatten, beim Projekt mitzumachen.

Fazit: Die Digitalisierung des Lernens, Lehrens und der Zusammenarbeit funktioniert

Auch intern mussten wir uns als Projektgruppe neu sortieren und unsere Meetings über digitale Kommunikationskanäle stattfinden lassen. Wo vorher für Team-Meetings Räume gebucht und Wegezeiten eingeplant werden mussten, war es nun leichter, sich schnell für einen Team-Call zusammenzuschalten. Das bereits bestehende Vertrauen ist eine wichtige Basis und spielt aus unserer Sicht eine große Rolle für das Funktionieren als digitales Team. Uns hat diese Phase gezeigt, dass das Zusammenarbeiten als virtuelles Team durchaus möglich ist.

Unser Fazit: Lehren und Lernen geht auch digital. Auch die digitale Zusammenarbeit funktioniert – dazwischen ist es aber auch ganz schön, sich „analog“ zu sehen.

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