Digitalisierung des Münchner Einzelhandels im Fokus

28. Juli 2022
Ein Beitrag von Dr. Simone Thomas

Die Stadtverwaltung bringt zwei Projekte für Münchner Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistungsbetriebe auf den Weg. Das eine Vorhaben sieht – zunächst beschränkt auf den Bereich der Innenstadt – den Aufbau eines virtuellen Stadtrundgangs vor. Das andere, ein Förderprogramm, richtet sich an Kleinst- und Kleinunternehmen aus Handel, Gastronomie oder dem Dienstleistungsbereich. Mit diesen digitalen Angeboten sollen die von der Corona-Pandemie besonders betroffenen Branchen unterstützt werden.

Virtueller Stadtrundgang

Aus Gesprächen mit verschiedenen Münchner Akteuren, darunter Händlerinnen und Händler, Verbände und Institutionen, wurde die Idee einer Online-Plattform als virtueller Stadtrundgang entwickelt. Sie hat zum Ziel, nicht nur die Standorte von Gewerbetreibenden, Gastronomen und Dienstleistenden auf einer Karte darzustellen, sondern vielmehr die Einbindung der Geschäfte und Betriebe in ihre städtebauliche Umgebung. So soll man zukünftig auch digital durch die Münchner Innenstadt schlendern und einen Blick in die Schaufenster oder sogar in den Innenraum von Geschäften und Betrieben werfen können. Vielleicht hat man auch die Möglichkeit, die Inhaberin oder den Inhaber kennenzulernen, wenn sie per Videobotschaft ihre Kundinnen und Kunden begrüßen.

Darüber hinaus sollen im Projekt weitere digitale Interaktionsmöglichkeiten entwickelt und erprobt werden. Das Projekt wird vom Referat für Arbeit und Wirtschaft in Kooperation mit dem GeoDatenService München (Digitaler Zwilling) und dem IT-Referat durchgeführt.

Nutzen eines virtuellen Stadtrundgangs

Der virtuelle Stadtrundgang bietet allen teilnehmenden Betrieben eine Plattform, digital Neues auszuprobieren. Kleineren und kleinsten Handels-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetrieben, die keinen Online-Vertrieb aufbauen wollen oder können, bieten digitale Visitenkarte oder Online-Schaufenster schnell und einfach verbesserte Sichtbarkeit. Digital affine Betriebe erhalten über  Verlinkung des eigenen Online-Shops bis hin zu digitaler Interaktion mit den Kundinnen und Kunden weitere Möglichkeiten. Zudem wird durch die gemeinsame Plattform eine höhere Online-Sichtbarkeit erreicht, als kleine Betriebe in der Regel im Alleingang erzielen.

Aus Sicht der Initiatorinnen und Initiatoren liegt der Vorteil eines virtuellen Stadtrundgangs vor allem darin, dass die teilnehmenden Unternehmen flexibel und niedrigschwellig entsprechend ihrem Digitalisierungsgrad eingebunden werden können.

Digitalisierung des Betriebs als Notwendigkeit begreifen

Mit der Corona-Pandemie hat die Digitalisierung in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen nochmals an Bedeutung gewonnen. Sie bildet damit heute einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die wirtschaftliche Zukunft von Betrieben. Führende Wirtschaftsakteure wie die IHK, der Handelsverband, die Rid Stiftung, aber auch private Digital-Unternehmen, bieten vielfältige Coaching- und Förderprogramme an. Gleichwohl stufen vor allem kleine Handelsbetriebe ihr Wissen in Bezug auf die Digitalisierung noch immer als weniger gut ein als größere Händler. Die Kleinunternehmen setzen digitale Maßnahmen aufgrund fehlender zeitlicher Ressourcen, rechtlicher Unsicherheit sowie hoher Investitionskosten oft nicht um (ibi research „Der deutsche Einzelhandel 2020“). Diese Gruppe von Händlerinnen und Händlern ist somit besonders gefährdet, bei der fortschreitenden Digitalisierung den Anschluss zu verpassen.

Im ersten Lockdown der Corona-Pandemie offenbarte sich der dringende Handlungsbedarf: Viele Münchner Kleinunternehmen aus dem Einzelhandel, der Gastronomie und dem Dienstleistungssektor standen im März 2020 plötzlich vor existenzbedrohenden Herausforderungen. Die Möglichkeit, ihr Geschäft online beziehungsweise auf digitalem Weg zu betreiben, hatten viele (noch) nicht genutzt. Jetzt in kurzer Zeit auf digitale Angebote wie beispielsweise einen Online-Shop, ein Online-Bestellsystem oder einen Lieferdienst umzustellen, war für viele Betroffene allein nicht realisierbar.

Das Referat für Arbeit und Wirtschaft legte hier innerhalb kürzester Zeit gemeinsam mit der ReDI School of Digital Integration und der UnternehmerTUM das Förderprogramm „Mia gehn online“ auf.

Neues Förderprogramm zur Digitalisierung

Ein neues Förderprogramm zur Digitalisierung soll an die Erfahrungen aus „Mia gehn online“ anknüpfen. Über das neue Programm sollen teilnehmende Unternehmen aus Einzelhandel, Gastronomie und dem Dienstleistungsbereich eine Beratung zu für sie passenden digitalen Lösungen erhalten. Anschließend sollen erste Schritte in der praktischen Umsetzung begleitet werden, um etwaige Hürden bei der Digitalisierung abzubauen. Gleichzeitig soll das Förderprogramm eng mit dem Pilotprojekt Virtueller Stadtrundgang verknüpft werden, sodass die Teilnehmenden zusätzlich von einer erhöhten Sichtbarkeit ihres Betriebes und der Wirkung der von ihnen umgesetzten Digitalisierungsmaßnahmen profitieren können.

Beide Vorhaben werden durch den Sonderfonds „Innenstädte beleben“ des Bayerischen Städtebauförderungsprogramms mit Mitteln des Freistaats Bayern gefördert sowie von der Landeshauptstadt München kofinanziert.

Gesucht: Unterstützung für ein Jahr

Haben Sie Interesse, an beiden Projekten befristet für ein Jahr mitzuwirken und damit die Digitalisierung des Münchner Einzelhandels zu unterstützen? Dann kontaktieren Sie uns gerne per Mail für weitere Informationen.

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