31. Mai 2021

Digitalisierung in der Langzeitpflege


Kategorie: Digital


Ein Gastbeitrag von:
Helma Kriegisch,
Amt für Soziale Sicherung im Sozialreferat

Co-Autoren­schaft:
Elisabeth Wagner

Grundsätzlich braucht gute Pflege persönliche menschliche Zuwendung. Doch es gibt an vielen Stellen der Langzeitpflege digitale Elemente, die für alle Beteiligten hilfreich sind. Etwa weil sie beim Training der geistigen Fähigkeiten unterstützen oder bei der Organisation der Arbeit in den Einrichtungen. Im vergangenen Jahr kamen pandemiebedingte Aspekte hinzu. Helma Kriegisch vom Amt für Soziale Sicherung im Sozialreferat gibt Einblicke in den aktuellen Stand.

Bereits vor der Corona-Pandemie haben Tagespflegeeinrichtungen und vollstationäre Pflege­einrichtungen, im alltäglichen Sprachgebrauch meist „Pflegeheime“ genannt, digitale Elemente in der Betreuung eingesetzt. Zum Beispiel digitale Aktivitätstische, vergleichbar mit einer großen Tablet-Oberfläche, die unter Einsatz von Bildern, Musik und Geräuschen therapeutisches Spielen am Tisch ermöglichen. Das bereitet Freude und fördert gleichzeitig die geistige Fitness, auch und ganz besonders bei Demenz. Ebenfalls sehr beliebt ist der Simulator, der Kegeln am Bildschirm ermöglicht. Auch das macht viel Spaß und ermöglicht schonende körperliche Bewegung: selbst Menschen im Rollstuhl können mitmachen.

Auch in der Verwaltung der Langzeitpflege ist in den vergangenen Jahren einiges passiert. So wurde in vielen Pflege­ein­richtungen bereits vor der Pandemie die Pflegedokumentation auf EDV-gestützte Verfahren umgestellt. Das gilt für alle Arten der Langzeitpflege, das heißt für ambulante Pflegedienste, für die Tages- sowie die Kurzzeitpflege und die „Pflegeheime“. Für die interne Kommunikation nutzen vor allem Pflegeein­richtungen größerer Träger das Intranet.

Herausforderung für die Langzeitpflege durch die Distanzgebote in der Pandemie

Der Ausbruch der Corona-Pandemie und die damit verbundenen strengen Besuchs­regelungen haben diese Situation noch einmal deutlich verändert. Der Bedarf an digitalen Lösungen stieg, doch die Zeit, sich darum zu kümmern, war knapp. Denn im Vordergrund stand der Schutz der Pflegebedürftigen und Beschäftigten vor dem Virus – bei lange Zeit knappem Schutzmaterial und sich häufig kurzfristig ändernden Vorgaben.

Wenngleich unter diesen Bedingungen und oft auch mangels technischer Anbindung eine Ausstattung aller Bereichen mit WLAN nicht überall möglich war, so nutzte man sofort das Vorhandene. Vor allem galt es, Alternativen für die persönlichen Treffen zu finden. Dafür wurden, so gut es ging, Tablets und Smartphones angeschafft. Damit konnten Bewohnerinnen und Bewohner ihren Angehörigen und anderen vertrauten Menschen über Videotelefonie begegnen. Dabei wurden die Pflege­bedürftigen, vor allem bei Demenz, individuell durch die Mitarbeitenden begleitet. Sie erklärten den Umgang mit der Technik und trösteten, wenn trotz Bild und Ton der vertraute enge Kontakt schmerzlich vermisst wurde.

Unterschiedliche interne und externe Kanäle für die Kommunikation

Durch die Dynamik der Pandemie und die fehlende Erfahrung mit einem solchen Katastrophenfall wurden Hygiene-Vorgaben häufig angepasst und es gab auch andere, oftmals sehr kurzfristig erlassenen Verordnungen. Hier war es zwingend erforderlich, diese vielen zeitnahen Änderungen unverzüglich in die Praxis zu kommunizieren. Da erwies es sich als klarer Vorteil, wenn das Instrument „Intranet“ bereits eingeführt war. Über diesen Weg konnten die Beschäftigten sofort informiert werden, wenn beispielsweise Pande­mie­beauftragte zu benennen oder neue Regelungen zur Einrichtung von Quarantäne­bereichen zu berücksichtigen waren.

In den Führungsebenen waren nun Videokonferenzen das Mittel der Wahl. Wobei die Technik und die unter­schiedlichen Produkte in den verschiedenen Einrichtungen teilweise bis heute eine Heraus­forderung darstellen. Denn selbst, wenn die interne Kommunikation innerhalb der Stadtverwaltung oder zwischen den Häusern eines Heimträgers mit einem System gut gelang: Für die externe Kommunikation mit Behörden wie Gesundheitsamt, Heimaufsicht oder Sozialreferat sowie im Katastrophenfall mit der Feuerwehr gab es häufig unterschiedliche Software. Da lief und läuft nicht alles auf Anhieb einwandfrei. So gerieten anfangs manche Telefon­konferenzen bei einer größeren Teilnehmerzahl an ihre Grenzen.

Neue digitale Formen für die Pflege-Ausbildung

Wie in anderen Ausbildungsberufen auch, kam die Ausbildung ins Stocken. Die Arbeit direkt am Menschen war plötzlich nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt möglich. Zudem mussten Pflegeschulen und Hochschulen rasch neue Instrumente entwickeln, um die theoretischen Lern­inhalte zu vermitteln. Video­konfe­renzen, direkte Videokommunikation und Blended Learning ersetzten zwangsläufig die Präsenz­veranstaltungen in den Pflegeschulen und Hörsälen. Die Auswirkungen auf die noch in 2020 dazu neu eingeführte, alle Pflege­berufe umfassende, generalistische Pflegeausbildung bleiben abzuwarten. Das gilt für Ausbildungs­berufe ebenso wie für Studierende der Pflege­wissenschaft, des Pflegemanagements, der Pflegepädagogik oder der den Bachelor-Studiengang „Pflege“.

Um den Kontakt zu potenziellen zukünftigen Mitarbeitenden herzustellen, organisierte die Stadtverwaltung im Januar 2021 die Pflege-Messe erstmals digital. Die Online-Plattform Pflege in München wirbt zudem für den Pflegeberuf im Rahmen der städtischen Kampagne.

Mehr digitale Vernetzung für die Pflege

Mitte 2021 soll das Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG) in Kraft treten. Ziel ist beispielsweise die vermehrte Nutzung der elektronischer Patientenakte: Im Bereich der häuslichen Krankenpflege sowie der außerklinischen Intensivpflege soll diese für elektronischen Verordnungen von Heil- und Hilfsmitteln sowie verschreibungspflichtige Arzneimittel eingesetzt werden. In diesem Zusammenhang ist eine Erweiterung der sicheren Übermitt­lungs­verfahren zwischen Versicherten, Leistungserbringenden und Kostenträgern geplant. Die Datensicherheit ist bei allen Unterschieden hinsichtlich der technischen Gegebenheiten überall konsequent zu etablieren.

Trotz dieses vermehrten Einsatzes digitaler Lösungen in der Langzeitpflege ersetzt Digitalisierung nicht die direkte menschliche Zuwendung. Aber sie unterstützt bei Routineprozessen, schafft zeitlich Frei­räume und trägt zur Wissensvermittlung bei.

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