2. September 2019

E-Scooter in München: Mobilität via Smartphone


Kategorie: Service

Ein Beitrag von:

Lisa Zech
Lisa Zech

Co-Autor:
Elisabeth Wagner - Elisabeth Wagner

Seit Juni sind die E-Scooter in München unterwegs und sorgen für viel Diskussion: Gefahren im Straßenverkehr, mehr oder weniger umweltfreundliche E-Mobilität, Risiken, Skepsis und Spaß. Aus Sicht der IT ist ein weiterer Aspekt spannend: Hier etabliert sich gerade eine Variante des Nahverkehrs, die ganz auf das Smartphone setzt.

Sharing Mobility als wichtiges Ziel

Der Münchner Stadtrat sieht in Sharing Mobility einen wichtigen Baustein in der Verkehrswende und stimmte daher im Juli einem entsprechenden Beschluss zu: Den Bürgerinnen und Bürgern soll in Zukunft ein breites Angebot an Leih-Gefährten zur Verfügung stehen. Bisher war vor allem von Autos und Fahrrädern einschließlich Pedelecs und Lastenrädern die Rede. Jetzt betrifft das auch E-Scooter.

Super Bild

E-Scooter in München, Foto: vonderschaumedia

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist als wichtigster Verkehrs-Dienstleister natürlich mit dabei. Seit 1. Juli 2019 kooperiert die MVG mit dem Roller-Verleih TIER. Im Rahmen der Kooperation stellt das Startup 1.300 E-Scooter in München zur Verfügung: 100 innerhalb des Altstadtrings, 1.000 zwischen Altstadtring und Mittlerem Ring und rund 200 außerhalb des Mittleren Rings. Im Moment läuft die Buchung noch über die Tier App, voraussichtlich ab Herbst über die App MVG more.

Einfache Registrierung und Buchung mit dem Smartphone

Inzwischen haben schon viele Bürgerinnen und Bürger und auch das Team unserer Webredaktion E-Scooter der verschiedenen Anbieter in München getestet. Das Fazit zum Bedienkomfort war durchwegs positiv:

 

  • Das Registrieren geht schnell und einfach: App herunterladen, ein paar Daten eingeben und E-Mail bestätigen.
  • Über die App einen freie Roller orten, hingehen, Nummer eingeben oder scannen und schon kann`s losgehen.

Das Smartphone als „Aufpasser“

Nicht nur zum Start ist die App wichtig, man benötigt sie während der ganzen Fahrt. Zum einen zeigt sie laufend die Dauer der Fahrt an, die Ladung des Akkus und die Karte mit dem aktuellen Standort. Zum anderen unterstützt sie bei der Einhaltung der Regeln. Und das ist durchaus hilfreich, denn für E-Scooter gelten in München einige Einschränkungen.

So hat das Kreisverwaltungsreferat (KVR) mit zwölf Verleihunternehmen eine freiwillige Selbstverpflichtung erarbeitet. Neben Regelungen zur Verkehrssicherheit und zur Verhinderung eines Parkchaos, enthält diese eine Karte mit Sperrzonen. Beispielsweise sind E-Roller nicht erlaubt in der Fußgängerzone, auf Friedhöfen oder in Parks. Ein Abstellverbot gilt unter anderem für die Isar-Brücken.

Super Bild

E-Scooter-App Parkvorgang, Foto: Birgit Wagner

Die App agiert als Aufpasser und sorgt dafür, dass diese Regelungen auch eingehalten werden. Wie sich das anfühlt, berichtet der Reporter Clemens Hagen in der Münchner Abendzeitung:

„Als ich bei der ersten Testfahrt den Englischen Garten queren will, wird meinem Roller wie von Geisterhand der Saft abgedreht. Er bleibt einfach stehen. Erst denke ich, der Akku sei leer, dann fällt mir ein: Der E-Garten ist tabu für E-Roller – rote Zone. Schnell rausschieben das Zweirad, dann geht es schon weiter.“

Technisch lassen sich solche elektronischen Zäune recht zuverlässig einrichten. Voraussetzung für das „Geofencing“ ist wiederum das Smartphone, auf dem die Ortungsfunktion aktiviert und die App geöffnet ist.

Der Münchner Stadtrat hat darüberhinaus einen entsprechenden Antrag „Safer Scooter“ gestellt, der über die Freiwilligkeit hinausgeht und strikte Regeln sowie Sanktionen fordert. Dies auch im Hinblick auf die gefährlichen Fahrten mit den Scootern unter Alkoholeinfluss.

In Anbetracht der großen Bedeutung des Smartphones für die Nutzung der E-Scooter ist der wichtigste Tipp, den unser Kolleginnen und Kollegen aus dem Webmanagement nach ihrem Test geben können: Ein voller Handy-Akku ist hilfreich!

Kann man E-Scooter in München auch ohne App fahren?

Einen E-Scooter in München ohne eine entsprechende App ausleihen, geht nach unserer Recherche nicht. Es bleibt abzuwarten, ob sich noch lokale Anbieter etablieren, bei denen man vor Ort ausleiht, eine Kaution hinterlegt und bezahlt.

Wer es vorzieht, mit eigenem Elektroroller unterwegs zu sein, kann sich über die Regelung des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) freuen: In allen Bahnen und Bussen des MVV werden die Roller zusammengeklappt als „Sache“ behandelt und kostenlos transportiert. So kann die kombinierte Fahrt mit MVV und E-Scooter in München auch bei längeren Strecken eine attraktive Alternative zur motorisierten Anfahrt sein.

Potenzial für die Verkehrsplanung

Die Bewegungsdaten von Fahrerinnen und Fahrern der E-Scooter haben zudem interessantes Potenzial für die Verkehrsplanung: Von wo, wohin und zu welchen Zeiten bewegen sich Bürgerinnen und Bürger? Dies sind wichtige Informationen zur Planung von Fahrwegen. Anonymisierte Daten von E-Scootern in München wären da eine Überlegung wert.

Es gibt bereits interessante Ansätze, aus den anonymisierten Routen oder freiwilligen Angaben solch nützliches Wissen zu gewinnen. Das Start-up bike|solutions hat für seine Ideen zur Nutzung von Fahrraddaten im Sinne einer besseren Radinfrastruktur gerade erst den Münchner Innovationspreis 2019 gewonnen.

Wer mehr über die Arbeit der Gründer erfahren will, der sei auch auf ihr Video „Startup-Couch“ auf unserem Youtubekanal verwiesen. Hier noch unter altem Firmennamen.

Patrick Winkler, Team Webmanagement der Stadt München, testet einen E-Scooter, Foto: Birgit Wagner

Regelungen und Vermeidung von Chaos beim Abstellen der E-Scooter

Das folgende Video von münchen.tv zur Einführung der E-Scooter thematisiert nochmals zusammenfassend Vorteile, Nachteile und Regelungen zur Nutzung der Roller in München. Dabei spricht die Polizei München und das Kreisverwaltungsreferat unter anderem über das Unfallrisiko durch Alkohol beim Fahren und die Vereinbarung mit den Anbietern, um ein Parkchaos wegen vieler Falschparker zu verhindern.

Kommentare (0)

 
Schreiben Sie doch den ersten Kommentar zu diesem Thema.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge

Teilen