9. April 2021

Erkenntnisse aus fünf Jahren Smarter Together


Kategorie: Digital

Ein Beitrag von:

Ella Hiesch
Ella Hiesch
Bereits in der Vergangenheit haben wir immer wieder über das Projekt Smarter Together berichtet. München hat hier als „Leuchtturm-Stadt“ wie Lyon und Wien verschiedene Smart-City-Themen bearbeitet: Mobilität, Energieeffizienz, Beteiligung der Bürgerschaft, Digitalisierung. Nun hat das Projekt Resümee gezogen und in einem 48-seitigen Abschlussbericht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Wir haben ihn uns angesehen und hier einige erste Erkenntnisse zusammengefasst.

Wertvolle Erkenntnisse zur Einbindung der Bürgerschaft

Besonders wertvoll war in diesem EU-Projekt, dass Ideen und Lösungen grundsätzlich ganzheitlich betrachtet wurden. Bei allen Maßnahmen war es selbstverständlich, den Einfluss und Mehrwert auf unterschiedliche Aspekte der Stadtgesellschaft zu berücksichtigen. Durch Kooperation verschiedener Projektpartner aus Verwaltung, Wirtschaft und Anwohnerschaft wurden Interessen aus allen Bereichen mit einbezogen. Auch aus Forschung und Wissenschaft waren Fach-Experten und -Expertinnen involviert.

So ergaben sich eine ganze Reihe von Erkenntnissen aus dem Projekt allgemein und speziell aus dem Projektgebiet Neuaubing-Westkreuz / Freiham. Vieles kann in zukünftige Planungen und Umsetzungen übernommen werden. So hält der Bericht beispielsweise Erkenntnisse im Hinblick auf die Beteiligung der Öffentlichkeit an der Stadtentwicklung fest:

  • Um eine effiziente Beteiligung der Bürgerschaft zu organisieren, braucht man ausreichend Vorlauf.
  • Ebenso wichtig sind Handlungsspielräume: Nur wo tatsächlich Möglichkeiten offen sind, können Meinungen der direkt Betroffenen mitberücksichtigt werden.
  • Auch der äußere Rahmen ist wichtig. Um möglichst viele Interessierte mit einzubeziehen, sind Online- und Offline-Angebote wichtig sowie spannende und unterhaltsame Formate.

Erkenntnisse zu nachhaltigen Mobilitätskonzepten

Ein anderer Themenschwerpunkt war die Erprobung neuer Konzepte für nachhaltige Mobilität. Dazu wurden im Pilotgebiet zusätzlich zum vorhandenen Nahverkehr an acht Mobilitätsstationen attraktive weitere Mobilitätsangebote bereitgestellt:

  • 40 Fahrräder, 24 E-Räder und 20 elektrische Dreiräder (eTrikes) der Münchner Verkehrsgesellschaft MVG
  • 10 E-Autos von STATTAUTO und 16 E-Auto-Ladepunkte

Ein Großteil der Erkenntnisse ist bereits während der Projektlaufzeit in die Stadtentwicklung eingeflossen. Etwa, dass die Nutzung der Angebote so einfach wie möglich zu gestalten ist, beispielsweise durch eine leicht bedienbare App bei Sharing-Angeboten.

Energetische Sanierung und Energiespeicher

Ein anderer Eckpfeiler von Smarter Together war die sozialverträgliche energetische Sanierung von Wohngebäuden. Ziel war es, die Gebäude energieeffizienter zu machen und den Anteil erneuerbarer Energien in der Wärme- und Stromversorgung zu erhöhen. So hat ein Team der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung MGS im Projektzeitraum mehr als 2.000 Wohneinheiten mit insgesamt mehr als 200.000 Quadratmetern Wohnfläche energetisch untersucht. Mehr als 42.000 Quadratmeter konnten energetisch saniert werden. Es entstanden ein Leitfaden zur Gebäudesanierung und ein Informationsfilm.

Die Stadtwerke München nahmen im Rahmen des Projekts einen neuen Batteriespeicher in Betrieb. Dieser Stromspeicher mit einer Leistung von 800 Kilowatt (kW) und einer Kapazität von 1000 Kilowattstunden (kWh) ist ein wichtiger Bestandteil des sogenannten virtuellen Kraftwerks, das Erzeugungsanlagen und Stromverbraucher miteinander vernetzt.

Zahlen Daten Fakten: Die Smart Data Plattform

Smart City beinhaltet auch: einen Ort schaffen, an dem erhobene Daten sicher aufbewahrt, verarbeitet und als Basis für weitere Aufgaben der Stadtentwicklung gespeichert werden können. Dafür wurde im Zuge von Smarter Together die Smart City Plattform konzipiert und umgesetzt, einschließlich hoher Standards für Datensicherheit und Datenschutz. Hier werden beispielsweise die Daten der intelligenten Lichtmasten analysiert und verarbeitet. Nähere Informationen dazu, welche Daten erhoben und wie sie verarbeitet wurden, gibt es noch bis zum Sommer 2021 auf einer im Rahmen des Projektes entwickelten Transparenz-Seite, deren Inhalte nach Auslaufen des Projektes allerdings nicht mehr aktualisiert werden.

Im Rahmen des Projekts wurde zudem die München App erweitert, um beispielsweise die aktuell vorhandenen Angebote an den Mobilitätsstationen auf dem Stadtplan sichtbar zu machen. Weitere Ergebnisse:

  • Ein „Data Gatekeeper“-Nachschlagewerk – Erkenntnisse zum Umgang mit Daten und Datensicherheit für künftige Smart-City-Projekte
  • Erkenntnisse für digitales Stadtmonitoring – ausgewählte Kennzahlen langfristig beobachten und für die zukünftige Stadtentwicklung nutzen
  • Datenaustauschkultur – Sammlung, Verarbeitung und Bereitstellung von Open Data unter Berücksichtigung des Datenschutzes

Die IT war in den meisten Themen dabei, sowohl in einer „ermöglichenden“ als auch in einer lernenden Rolle. Thomas Bönig, Münchner IT-Referent und CDO:

Smarter Together hat es uns ermöglicht, eigene Erfahrungen in innovativen Themen zu sammeln und ein umfassendes Wissen aufzubauen. Ich freue mich, wenn wir in der Landeshauptstadt München wichtige Zukunftsthemen weiterentwickeln und auch andere Kommunen davon profitieren können.

Was folgt nach den Erkenntnissen?

Tatsächlich war die sogenannte „Replizierbarkeit“, also Wiederholbarkeit, eine Anforderung an alle Teilprojekte von Smarter Together. Das bedeutet zum einen die transparente Erhebung und Dokumentation der  Herausforderungen. Zum anderen die verständliche Aufbereitung von Erkenntnissen und Problemstellungen sowie der resultierenden Lösungen. Quasi ein Reiseplan in die Zukunft, gefüllt mit Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Interessierte können die einzelnen Projektstationen zum Teil noch bei einem Stadtteil-Spaziergang im Projektgebiet besuchen. Das Monitoring auswertungsrelevanter Daten geht wegen der Pandemie noch bis zum Sommer 2021 weiter. Während für manche Elemente wie die Quartiersboxen aktuell nach neuen Einsatzmöglichkeiten gesucht wird.

Wir vom Projektteam München freuen uns, dass wir das Projekt mit verschiedenen Beiträgen über die letzten Jahre begleiten durften und sind gespannt darauf, was die Erkenntnisse aus Smarter Together für die Zukunft unserer Stadt noch bewirken werden.

Smarter Together München Abschlussbericht

Titelblatt des Abschlussberichts Smarter Together München (Quelle: LHM)

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