16. November 2019

#explainIT: Cloud Computing erklärt


Kategorie: Service

Ein Beitrag von:

Dr. Stefan Döring
Dr. Stefan Döring

Co-Autor:
Benjamin Wimmer - Benjamin Wimmer

Wir alle haben es wohl schon mal genutzt. Zum Beispiel beim Sichern oder Teilen von Urlaubsbildern mit Freunden oder Familie über das Internet: Cloud Computing ist mittlerweile in unserem Alltag angekommen. Was das genau ist und was man darüber wissen sollte, erklären wir in diesem Beitrag in der Rubrik #explainIT:

Cloud-Computing – Auslagerung als Ziel

Cloud-Computing bezeichnet die Nutzung von Software, Speicherplatz oder Rechenleistung über Datennetze. Man braucht also nicht mehr an jedem Arbeitsplatz, PC und Laptop großen Speicherplatz und eigene Softwareinstallationen, sondern nutzt diese zentral. Das bedeutet, dass man nicht mehr auf dem lokalen Rechner arbeitet und speichert, sondern „in der Wolke“, der so genannten „Cloud“.

Letztes Jahr nutzten 73 Prozent der deutschen Unternehmen Cloud-Computing. Die Technologie ist also fester Bestandteil der IT. Die Cloud wird oft auch als Dienstleistung angeboten und ist ein Geschäftsmodell der Wirtschaft.

Zum Beispiel setzt sich dieser Trend vermehrt in der Computerspielbranche durch: Statt ständig neue private Hardware zu beschaffen, um hohe Leistungsanforderungen von Computerspielen zu erfüllen, nutzen Spielerinnen und Spieler die Technik aus der Cloud. Voraussetzung ist eine schnelle Internetverbindung. Auch Speicherkapazitäten für Fotos und private Dateien werden bereits häufig in Privathaushalten über die Cloud genutzt.

Private, Public und Hybride Cloud

Cloud-Lösungen kann man grundsätzlich auf zweierlei Weise unterscheiden. Einmal hinsichtlich ihrer Privatheit, also ob ein Unternehmen seine eigene Cloud betreibt oder eine „fremde“ als Dienstleistung nutzt. Schauen wir uns diese Unterschiede einmal genauer an:

 

  • Hauptmerkmal einer Private Cloud ist, dass sie vom nutzenden Unternehmen selbst kontrolliert und betrieben wird. Der Zugriff auf Dienste sowie Anwendungen erfolgt meist entweder per VPN-Verbindung (Virtual Private Network) im Internet oder über das Intranet.
  • Eine Public Cloud wird von einem externen IT-Dienstleister betrieben und wird öffentlich genutzt. Hierbei werden Computing-Ressourcen wie Speicher und Server über das Internet bereitgestellt. Folglich benötigen Firmen und auch Privatkundinnen und -kunden nur einen Internetzugang, um auf die angebotenen Dienste zurückzugreifen. Sämtliche Hardware, Software und andere unterstützende Teile der Infrastruktur sind Eigentum des Cloudanbieters und werden von diesem verwaltet.
  • Bei der Hybrid Cloud hingegen erfolgt der Regelbetrieb in der Private Cloud. Nur bestimmte Funktionalitäten sind ausgelagert. So ist es auch möglich, dass nur bei hohen Spitzen während Nutzung von Soft- oder Hardware der externe Cloud-Anbieter einspringt.

Die Cloud als LaaS, PaaS oder SaaS

Die zweite Unterscheidung richtet sich nach der Ausprägung der Cloud, also ob nur Software, eine Plattform oder auch technische Infrastruktur bereitgestellt wird. ​Die Bezeichnungen IaaS, PaaS und SaaS stehen für diese drei verschiedene Modelle:

 

  • IaaS – Infrastructure as a Service – stellt physische Infrastruktur als eine Dienstleistung bereit. Darunter fallen vor allem Speicher, Prozessor, und Netzkapazitäten, die auf Abruf dem Nutzerkreis zur Verfügung stehen. Dadurch entfällt der teure Betrieb eines eigenen Rechenzentrums.
  • PaaS – Platform as a Service – ist vor allem für die Anwendungsentwicklung sinnvoll. Angeboten wird eine Plattform, auf der sich eigene Software entwickeln, testen und ausführen lässt. Bei einer PaaS-Lösung wird jeder Aspekt der Softwareentwicklung also in der Cloud angeboten.
  • SaaS – Software as a Service – stellt Standardanwendungen wie E-Mail, Kalender und Büromanagement-Software über das Internet bereit. Dadurch entfällt eine lokale Software-Installation. Auch die damit verarbeiteten Daten befinden sich dabei beim Anbieter der Cloud, der auch für die Verwaltung der Software verantwortlich ist.

Die drei unterschiedlichen Ausprägungsformen von Cloud-Lösungen, Quelle: RIT

Vorteile von Cloud-Computing

Eine Cloud-Lösung ist unabhängig von Raum und Zeit, man kann also jederzeit und überall auf der Welt darauf zugreifen. Einzig und allein eine Internetverbindung ist erforderlich. Durch Synchronisierung auf mehreren Geräten und ständige Aktualisierung sind Daten und Software immer aktuell. Die Cloud hilft, große Datenmengen bequem zu handhaben.

Für Privathaushalte und Unternehmen ergeben sich weitere Vorteile, wie etwa der Zugang zu Technologien, die bisher zu teuer waren. Meistens ist eine Cloud-Lösung deutlich günstiger im Vergleich zu einer Investition in eigene Server, Hardware und Software.

Auch steigt die Sicherheit. Daten sind in der Cloud grundsätzlich vor Verlust geschützt. Wenn der eigene Rechner defekt ist oder verloren geht, sind die Daten nicht weg, sondern stehen in der Cloud weiterhin zur Verfügung. Auch sind die Daten in der Cloud in der Regel verschlüsselt und daher für Fremde unbrauchbar.

Alles eine Frage der Sicherheit

Sicherheit ist aber ein zweischneidiges Schwert und spielt gerade bei Cloud-Lösungen eine große Rolle.

Ist der Zugang zur Cloud nicht ausreichend sicher gestaltet, ergeben sich auch Risiken. Durch die zentrale Speicherung von großen Datenmengen ergibt sich eine große Angriffsfläche. Das kann zum Verlust von Unternehmensgeheimnissen oder zu Missbrauch von Daten führen.

Ein Cloud-Anbieter verspricht in den Datenschutzbestimmungen die Sicherheit der gespeicherten Daten. Das muss aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass wirklich niemand darauf zugreifen kann. Oft werden nicht alle Daten verschlüsselt, oder erst dann, wenn sie gespeichert werden, also nach der Datenübertragung. Während der Übertragung sind die Daten in solch einem Fall also ungeschützt. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, eine zusätzliche Verschlüsslung für sensible Daten zu verwenden.

Außerdem ist der Anbieter oft in der Lage, bereits selbst verschlüsselte Daten wieder zu entschlüsseln. Auch sieht das Geschäftsmodell einiger, oft sehr günstiger oder kostenfreier Cloud-Anbieter vor, dass diese die Daten für ihre Geschäftszwecke nutzen können. Hier empfiehlt es sich dringend, das Kleingedruckte in den AGBs zu lesen. Die Vorteile der Nutzung einer Cloud werden so schnell zunichte gemacht werden.

Gerade bei Anbietern außerhalb Deutschlands und Europa kann niemand garantieren, dass die eigenen Daten sicher sind vor einem Zugriff Dritter. Durch den „CLOUD Act“ (Carifying Lawful Overseas Use of Data Act) und den „Patriot Act“ ist es in den USA den Sicherheitsbehörden nämlich möglich, Daten einzusehen, auch wenn die Europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dagegen spricht. Daher ist es ratsam auf Cloud-Dienste aus Deutschland zurückzugreifen, da sie dem deutschen Datenschutz unterliegen.

Trotz aller Risiken geht für Organisationen aus genannten Gründen kaum ein Weg an Cloud-Computing vorbei. Und wer will schon die Flexibilität des mobilen Arbeitens aufgeben. Denn auch dafür braucht man die Cloud.

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