8. Mai 2019

#explainIT: Scrum einfach erklärt


Kategorie: Service

Ein Beitrag von:

Patrick Winkler
Patrick Winkler

Schneller, flexibler, einfacher? Agile Verfahren wie Scrum sind derzeit sehr populär. Aber was genau hat es damit auf sich? Und wie kann Agilität in einer immer komplexeren IT-Welt helfen? Nach Blockchain erklären wir im Rahmen unserer Serie #explainIT nun auch Scrum leicht verständlich.

Scrum ist nicht gleich Agilität

Die US-amerikanischen Softwareentwickler Ken Schwaber und Jeff Sutherland gelten als die Erfinder von Scrum. Anfang der 1990er Jahre entwickelten sie die Grundlagen dieser Art der Zusammenarbeit. Die Idee dahinter: In einer sich rasant verändernden IT-Welt ist eine langfristige Vorplanung oft nicht möglich. Stattdessen muss der Entwicklungsprozess schnell an plötzliche Veränderungen angepasst werden können.

Im Jahr 2001 veröffentlichten Schwaber, Sutherland und andere Entwicklerinnnen und Entwickler das Agile Manifest, welches das Fundament für alle agilen Methoden bildet. Es lautet wie folgt:

Wir erschließen bessere Wege, Software zu entwickeln, indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen. Durch diese Tätigkeit haben wir diese Werte zu schätzen gelernt:

Individuen und Interaktionen mehr als Prozesse und Werkzeuge
Funktionierende Software mehr als umfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem Kunden mehr als Vertragsverhandlung
Reagieren auf Veränderung mehr als das Befolgen eines Plans

Das heißt, obwohl Prozesse und Strukturen wichtig sind, sind Aktionen und Reaktionen von maßgeblicher Bedeutung.

Oft wird Scrum als DIE agile Methode bezeichnet. Richtig ist aber, dass sie nur eine von vielen Formen der Agilität ist, die diesen Grundsätzen folgen. Andere sind Kanban oder Lean. Oder einfacher ausgedrückt:

Man kann Agilität auch als Philosophie bezeichnen, nach der man arbeitet, während Scrum eine konkrete Umsetzung darstellt.

Was ist Scrum konkret?

Scrum steht im Rugby für „Gedränge“ – und genau wie ein Rugby-Team als Einheit versucht den Ball in eine bestimmte Richtung zu drücken, so gilt für Scrum-Teams: durch Erfahrungen lernen, sich selbst organisieren und sich kontinuierlich verbessern.

Dabei umfasst diese Methode bestimmte Meetings, Werkzeuge und Rollen, die gemeinsam das Strukturieren und Managen der Teamarbeit unterstützen. Scrum kennt drei wichtige Rollen:

 

  • Product Owner stellt fachliche Anforderungen und priorisiert diese.
  • Scrum Master unterstützt das Team und beseitigt Hindernisse.
  • Development Team entwickelt das Produkt.
Rugby Spieler während eines Spiels auf dem Rasen

Rugby Team als Einheit

Bestandteile und Ablauf eines Scrum-Projekts

In einem „Product Backlog“ wird zunächst die Vision des fertigen Produktes oder Services beschrieben. Alle bekannten Anforderungen sind dort entsprechend ihrer Wichtigkeit gelistet. Ein „Sprint Backlog“ zeigt jeweils die aus dem Product Backlog heraus definierten kleineren Aufgabenpakete an.

Das Development Team arbeitet dann in Entwicklungszyklen von meist zwei bis maximal vier Wochen daran, diese Items des Sprint Backlogs umzusetzen. Diese Zyklen nennt man „Sprints“. Dazu treffen sich die Teammitglieder täglich zu einem „Daily Scrum“, einem kurzen Meeting von maximal 15 Minuten. Ziel dieses Meetings ist es, dafür zu sorgen, dass jeder so effektiv wie möglich beschäftigt ist.

Am Ende eines jeden Sprints steht immer ein konkretes und sichtbares Ergebnis. Das Team präsentiert dann in einem „Sprint-Review“ dem Product Owner und weiteren ausgewählten Stakeholdern diese neue Funktionalität. In der „Sprint Retrospective“ reflektiert das Team die Zusammenarbeit während des letzten Sprints.

Scrum als Allheilmittel?

Fälschlicherweise wird Scrum oft als Allheilmittel verstanden, um möglichst schnell Ergebnisse zu produzieren und auf klassisches Projektmanagement zu verzichten. Doch auch die beiden Erfinder betonen:

Ein höherer Grad an Agilität macht immer nur dort Sinn, wo sich komplexe Situationen mit unsicheren Ursachen-Wirkungs-Zusammenhängen finden lassen.

Oder anders ausgedrückt: Ein Bäcker muss nicht agil arbeiten, für einen Software-Entwickler hingegen macht es in vielen Fällen Sinn. Auch wird Scrum nicht unbedingt alles „schneller“ machen. So ist es nicht unüblich, dass Teams bei der Einführung von Scrum zunächst einmal langsamer in der Umsetzung werden. Sich für eine agile Vorgehensweise zu entscheiden, wenn man keine Zeit im Projekt hat, ist daher kein guter Weg.

Ein weiterer Irrtum ist, dass man sich bei einem agilen Vorgehen mit Scrum die Projektplanung oder gar die Dokumentation sparen kann. Die Planung erfolgt natürlich dennoch, auch wenn sie nicht komplett im Voraus wie beim klassischen Vorgehen stattfindet, sondern iterativ vor jedem Sprint. Das bedeutet, dass auch in agilen Projekten Projektmanagement nicht überflüssig ist.

Warum sich Scrum lohnt

Die große Stärke von Scrum ist, dass statt eines relativ starren und vorgeplanten Ablaufs mit einem großen Ergebnis am Ende des Projekts, diese Methode viele kleine Ergebnisse liefert. Das Team kann gemeinsam aus diesen Erfahrungen lernen und erhält dadurch maximale Anpassungsfähigkeit an veränderte Rahmenbedingungen. Im klassischen Projektmanagement zeigen sich Fehler in der Umsetzung normalerweise erst gehäuft am Ende des Projektes. Im Scrum Verfahren wird ab dem ersten Sprint bilanziert und die Vorgehensweise kann entsprechend verändert werden.

Agilität meint immer die Fähigkeit einer Organisation, anpassungsfähig und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Dieser Kulturwandel passiert nicht über Nacht. Doch in vielen Fällen lohnt es sich, denn bei Agilität geht es schließlich auch um die Anpassungsfähigkeit einer Organisation an Megatrends wie beispielsweise Digitalisierung.

Wer sich noch ausführlicher informieren möchte, dem können wir das Youtube-Video Introduction to Scrum empfehlen (Englisch).

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