12. März 2021

Münchner Stadtmuseum: Die exklusiven Aspekte der Sammlung Online


Kategorie: Service

Ein Beitrag von:

Dr. Stefan Döring
Dr. Stefan Döring

Co-Autoren­schaft:
Elisabeth Wagner - Elisabeth Wagner
Ausstellungen im Internet bieten zwar keine Live-Atmosphäre, aber dafür oft deutlich mehr als Kunstgenuss. Das gilt zum Beispiel für die „Sammlung Online“ des Münchner Stadt­museums. Ein Teil der virtuellen Räume wurde eigens für die digitale Version gestaltet und es gibt weitere Vorteile. Manchen Details kommt man mit der Lupenfunktion näher als im wirklichen Leben. Und dann gibt es da noch spannende Mög­lichkeiten, viele der wunder­baren Werke für eigene Zwecke zu nutzen. Wie, erfahren Sie hier:

Rund 40 Alben im Münchner Stadtmuseum online

Das Münchner Stadtmuseum ist das größte kommunale Museum in Deutschland und hat 2019 als zweites städtisches Museum nach der Städtischen Galerie im Lenbachhaus eine Sammlung im Netz zugänglich gemacht. Das Herzstück der „Sammlung Online“ sind die bisher 45 Alben. Sie wurden allesamt kuratiert, also von Fachleuten eigens für Online ausgewählt, sowie mit Daten und Texten versehen. Die Zusammen­stellungen lassen sich grob drei Kategorien zuordnen:

Screenshot Münchner Stadtmuseum Alben

Alben der Sammlung Online des Münchner Stadtmuseums (Quelle: LHM)

Sammlung Online mit exklusiven Ergänzungen

Kunsthistorikerin Sophie Wagner kam im Frühsommer 2019 zum Münchner Stadtmuseum und war von Anfang an dabei, als die Arbeiten an der „Sammlung Online“ starteten. Wenn man mit ihr spricht, spürt man die Begeisterung für dieses Projekt. So weist sie gerne auf den Mehrwert des Virtuellen hin: Etliche Online-Alben konnten um Kunstwerke ergänzt werden, die live nicht zu sehen sind. Etwa weil sie dauerhaft oder vorübergehend in anderen Häusern hängen. So enthält das Album Welt im Umbruch mehrere Exponate aus dem Lenbachhaus.

Andere Werke – das gilt vor allem für Papier oder Textil – sind zu empfindlich, um sie längere Zeit dem Klima und dem Licht von analogen Ausstellungsräumen auszusetzen. Virtuell gibt es diese Limitierungen nicht.

Wieder andere Alben wurden ausschließlich für Online zusammengestellt. Teils zu Themen, die eine spezielle Fangemeinde haben wie frühe Luftfahrtfotos oder die Stadtkultur bewegen wie die unter öffentlicher Beteiligung entstehende Sammlung zu LGBTI (Englisch für Lesbian, Gay, Bisexual, Transexuell/ Transgender und Intersexual. Zu Deutsch: Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell/­Transgender und Intersexuell).

Inspiration durch Algorithmen

Weitere Werke auf der Startseite, unterhalb der sorgfältig angeordneten Alben, wirken wild durcheinander gewürfelt. Und genau das sind sie auch. Denn der Absatz „Inspirationen“ soll etwas hervorrufen, was man mit dem Fach­begriff Serendipity bezeichnet: neue und überraschende Entdeckungen durch zufällige Beobachtung von etwas nicht Gesuchtem. Der dahinterstehende Algorithmus agiert also genau gegenteilig zu dem im Internet so beliebtem „Mehr vom Selben“ oder auch unserer Rubrik „Weitere Beiträge“ unter unseren Artikeln, die ganz und gar nicht zufällig sind.

Dasselbe Prinzip gilt für die erste Abbildung auf der Startseite. Auch hier entscheidet der Zufall, mit welchem Bild einen die Sammlung Online begrüßt.

Münchner Stadtmuseum Sammlung Online Inspiration

Ein Zufallsgenerator hilft, Neues zu entdecken (Quelle: Münchner Stadtmuseum)

Das Münchner Stadtmuseum und die Creative-Commons-Lizenz

Spannend für kreative Menschen ist das Rechtekonzept für die Weiterverwendung der Abbildungen. Wo immer das möglich ist, setzt das Münchner Stadtmuseum nämlich auf eine „Creative-Commons-Lizenz“. Hinter Creative Commons steht eine Non-Profit-Organisation, die mit Muster-Lizenz­verträgen die Freigabe rechtlich geschützter Inhalte unterstützt.

Hintergrund ist, dass ein Werk 70 Jahre nach dem Tod der Urheberin oder des Urhebers frei verfügbar ist. Allerdings liegen auf den Fotos der Werke ebenfalls Urheberrechte, hier in der Regel das Münchner Stadtmuseum selbst. Für diese Fälle hat man sich entschieden, die Bilder mit der Lizenz CC-BY-SA 4.0 freizu­geben. Das heißt, Interessierte können diese Abbildungen ohne Nachfrage herunter­laden, verbreiten und nutzen, auch für kommerzielle Zwecke.

Allerdings gelten einige Bedingungen: Man muss die Quelle nennen, Urheber- und Rechteangaben machen und auf Änderungen hinweisen. Das durch Bearbeitung neu entstandene Werk muss zudem unter derselben Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht werden. Sophie Wagner fasst die Einstellung des Münchner Stadtmuseums zur „Sammlung Online“ so zusammen:

Wir wollen, dass man so schnell und nah und schön an die Werke herankommt, wie möglich.

Grundsätzlich gab es solche Freigaben im Münchner Stadtmuseum bereits vorher. Doch erst seit der „Sammlung Online“ kann man diese Werke mit einem Suchfilter gezielt finden und einfach herunterladen. Ein weiterer Vorteil der freien Bilder: Man darf sie in hoher Auflösung ins Internet stellen. Die Lupen­ansicht schafft eine Nähe, die selbst kleine Details offenbart – ohne dass eine Alarm­anlage losgeht wie bei Übertreten der Absperrungen im analogen Museum.

So bietet die „Sammlung Online“ exklusive Chancen. Es gibt viel zu entdecken:

Kommentare (0)

 
Schreiben Sie doch den ersten Kommentar zu diesem Thema.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge

Wie hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
[Gesamt: 5   Durchschnitt:  4.8/5]
Teilen
Wie hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
[Gesamt: 5   Durchschnitt:  4.8/5]