3. Mai 2020

Reverse Mentoring: Lernen auf Augenhöhe


Kategorie: Karriere

Ein Beitrag von:

Lisa Zech
Lisa Zech
Im Sommer 2019 startete das Personal- und Organisationsreferat der Stadt München das Pilot-Projekt Reverse Mentoring. Ziel war es, einen generations- und hierarchieübergreifenden Austausch zu schaffen und Impulse für ein innovatives und digitales Arbeiten in der Stadt München zu geben. Ein halbes Jahr später möchte ich ein Fazit ziehen und einen Einblick in die persönlichen Erfahrungen der Mentorinnen und Mentoren aber auch der Mentees geben. Was hat das Reverse Mentoring der Stadt München gebracht?

Vor allem im Bereich der Digitalisierung haben die sogenannten „Digital Natives“ oft einen Wissensvorsprung, welcher für die ganze Mitarbeiterschaft einer Organisation von Vorteil sein kann. Die Jüngeren wiederum können von Erfahrungen und Netzwerken der langjährigen Kolleginnen und Kollegen profitieren. Es gilt, voneinander zu lernen.

Um diesen Austausch zwischen Young Professionals und etablierten Fach- und Führungskräften zu gestalten, startete die Landeshauptstadt München im Juni 2019 das Pilot-Projekt Reverse Mentoring. Das Konzept, die Ziele und Themen zu Beginn haben wir bereits in diesem Beitrag vorgestellt. Die Start- und Testphase ist nun abgeschlossen und die Ergebnisse der Evaluation liegen vor.

Es geht um mehr, als Technologie

In meinem Tandem beschäftigten wir uns insbesondere damit, eine Social Media Strategie für einen sozialen Bereich der Stadtverwaltung zu erstellen. Dabei entwickelten wir Möglichkeiten, die Belegschaft in den Erstellungs- und Umsetzungsprozess einzubeziehen. Letztlich war es das Ziel, die Kommunikation, sowohl intern als auch extern, digital und auch in Form von Events zu fördern.

Für mich persönlich war es eine tolle Erfahrung, mein Wissen zu teilen und als kompetente Ansprechpartnerin auf Augenhöhe wahrgenommen zu werden. Ich hatte das Gefühl, die Innovationsbereitschaft in den Abteilungen tatsächlich zu fördern. Letztlich erhielten alle Mentorinnen und Mentoren Einblicke in die verschiedensten Bereiche und Themen unserer großen Stadtverwaltung.

Nach 6 Monaten als Mentorin im Projekt kann ich aber sagen, es ging in dem Projekt um mehr, als Wissen über neue Technologien weiterzugeben. Die Tandems lernten, wie die jeweils andere Generation tickt: verschiedene Perspektiven und Lösungsansätze, Führung, Wege der Entscheidungsfindung, Kommunikation und Transparenz sowie der Umgang mit Innovationen. Sich gegenseitig zu verstehen, ist eine wesentliche Voraussetzung für einen Kulturwandel in Zeiten der Digitalisierung. Für mich überraschend, dass es nur sehr wenige Punkte gab, an denen die Sichtweisen komplett auseinander gingen – etwa beim Thema Datenschutz und der Art, zu kommunizieren. Ein Mentee drückte es so aus:

Reverse Mentoring kann ich nur empfehlen. Der Blickwinkel der jüngeren Generation ist ein wichtiges Thema. Kulturwandel ist wichtig! Oft gibt es nur Worthülsen. Beim Reverse Mentoring ist eine konkrete Zusammenarbeit möglich.

 

Reverse Mentoring: Führungskräfte als Lernende

Die Mentees, also hochrangige Führungskräfte der Stadtverwaltung, beschrieben ihre Rolle im Reverse Mentoring als „Fragende“ oder „Lernende“. Eine neue und ungewöhnliche Situation für Viele. Die befürchteten Hindernisse traten jedoch nicht ein. Im Gegenteil: Die Mentees hatten immer ein offenes Ohr für neue Ideen und nahmen uns als große Unterstützung wahr. Schwierigkeiten lagen eher darin, für die regelmäßigen Treffen Zeit zu finden.

Die Mentees gaben zu, wieder „globaler zu denken“ und daran erinnert worden zu sein, dass man das Rad nicht immer neu erfinden muss – gerade im Hinblick auf die Themen Social Media, New Work sowie Kommunikation. Dabei äußerten sie große Begeisterung über das Engagement, die Motivation und auch die hohe Kompetenz, die wir in vielen Bereichen mitbringen und vermitteln konnten. Ein Mentee im Programm brachte es auf den Punkt:

Man bekommt mehr Verständnis für die jüngere Generation. Es hilft mir bei der Stellenbesetzung und Förderung junger Leute.

Lessons Learned

Letzten Endes ist für den Erfolg eines solchen Projektes immer die Initiative und Motivation der einzelnen Personen entscheidend. Auf Basis des Feedbacks der Mentees und meiner Mentoren-Kolleginnen und -Kollegen möchte ich ein paar Erkenntnisse nicht unerwähnt lassen:

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Auswahl der Mentees

Die Teilnahme am Reverse Mentoring soll vor allem denen zukommen, die tatsächlich Bedarf haben – zum Beispiel an digitalen Know-how. Das gilt es, im Vorhinein zu prüfen.
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Mentoring Regeln und Leitfaden für Erstgespräche

Es ist wichtig, von Beginn an festzulegen, wie innerhalb der Tandems kommuniziert wird. Regeln wie Offenheit, Vertrauen, Respekt und Verbindlichkeit geben eine gute Basis für die Zusammenarbeit. Für das Erstgespräch wäre ein kleiner Leitfaden hilfreich gewesen. Darin sollte es um das Kennenlernen, das Anliegen und die Form der Unterstützung gehen.
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Themenpool

In einem Workshop vor dem Start des Projektes wurde ein kleiner Pool an möglichen Themen zusammengetragen. Dieser hat sich sehr bewährt, um einen Einstieg in das Programm zu finden.
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Zeit und Ort

Grundsätzlich empfanden die Beteiligten den Zeitraum von sechs Monaten als gut gewählt. Einige Mentees hätten die Projektlaufzeit aber gerne noch verlängert. Die monatlichen Treffen mit jeweils 1,5 Stunden haben sich auch bewährt. Wenn möglich, sollte für die Treffen auch mal ein neutraler Ort gewählt werden, um die Gespräche nicht durch äußere Einflüsse zu stören.
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Unterstützung auf oberster Führungsebene

Um das Programm in die gesamte Stadtverwaltung zu tragen und dessen Bedeutung hervorzuheben, ist eine Unterstützung durch die oberste Führungsebene dringend nötig. Gerade wenn es darum geht, dass die Young Professionals Arbeitszeit in das Programm investieren, sollten die Dienststellen auch klare Anweisungen dazu haben.
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Aspekt „Zukunft“

In der Theorie soll ein Reverse Mentoring Programm verschiedene Ziele erfüllen: Networking, Erfahrungsaustausch, Beratung, Feedback und Zukunftsfragen. Der Aspekt „Beratung“ war im Pilot besonders ausgeprägt, „Zukunft“ dagegen nur sehr wenig. Um letzteres zu fördern, könnten Benefits wie beispielsweise besondere Fortbildungen oder Zertifikate für die Mentorinnen und Mentoren in Erwägung gezogen werden.

Wie es weiter geht mit dem Reverse Mentoring

Auf Basis der positiven Ergebnisse möchte die Landeshauptstadt München das Projekt weiterverfolgen und ein regelmäßiges Programm etablieren. Wir können gespannt sein und werden berichten.

Ich persönlich bin dankbar für die Erfahrungen und sehe eine große Chance im Reverse Mentoring, einen referats- und generationenübergreifenden Austausch zu schaffen, die digitale Kommunikation zu steigern und die Digitalisierung voranzutreiben.

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