14. Juni 2021

Tagespflege für Kinder: Digitale Personal­gewinnung


Kategorie: Digital

Ein Beitrag von:

Lisa Zech
Lisa Zech

Co-Autoren­schaft:
Elisabeth Wagner - Elisabeth Wagner

Tagespflege ist eine wichtige Säule der Kinderbetreuung außerhalb der Familie. Dafür sucht die Stadt laufend neue Tagesmütter und Tagesväter. Als die dafür seit Jahren gut etablierten Informations­veran­staltungen in Präsenz coronabedingt nicht mehr möglich waren, kam der Prozess ins Stocken. Doch inzwischen setzt das Stadtjugendamt beim ersten Kontakt zu potenziellen Betreuungs­personen vermehrt auf digitale Kommunikation. Wie das funktioniert und was es mit den dabei verwendeten Basis­komponenten aus dem Bereich E-Government auf sich hat, erfahren Sie hier:

Zwei Formen der Tagespflege

Bei der Kindertagespflege als weiteres Betreuungs­angebot zu Kita, Kindergarten und Hort, unterscheidet man zwischen zwei wesentlichen Angeboten:

  • In der Großtagespflege betreuen zwei bis drei Personen fünf bis zehn Kinder in Räumen außerhalb eigener Wohnungen.
  • In der Kindertagespflege in Familien betreuen die Tagesmütter oder -väter bei sich zuhause bis zu fünf Kinder, darunter oft auch eigene.

Wer in diesem Bereich tätig sein möchte, benötigt eine Pflegeerlaubnis und durchläuft dafür einen mehrmonatigen Prozess einschließlich persönlicher Eignungsprüfung und Qualifizierung. Zudem werden die für die Betreuung vorgesehenen Räumlichkeiten überprüft. Als erster Baustein auf dem Weg zur Pflegeerlaubnis hatte sich für beide Formen der Tagespflege seit Jahren der verpflichtende Besuch einer Informationsveranstaltung etabliert.

Als die Quarantäne-Regelungen in 2020 diese Veranstaltungen verhinderten, war das ein Problem für die Stadt und für die Menschen, die beruflich in die Betreuung von Kindern einsteigen wollten. Eine zusätzlich eingeschobene Sommer­veranstaltung bei gesunkenen Inzidenzwerten für ganz dringende Fälle brachte nur geringe Entspannung. Deshalb entschloss sich das zuständige Team im Stadtjugendamt München die Informations­veranstaltung für potenzielle Tages­betreuungs­personen auf ein Online-Verfahren umzustellen, zunächst für die Großtagespflege. Im September 2020 ging es los. Für eine schnelle technische Umsetzung sorgten mehrere Basiskomponenten aus dem Bereich E- und Open Government:

Der digitale Weg zur Tagespflege

Interessierte für die Online-Information zur Tätigkeit in der Großtagespflege melden sich nun über die städtische Veranstaltungs­plattform an. Mit der Bestätigungsmail erhalten Sie einen Zugangslink zu einer weiteren Basiskomponente, der Kooperations­plattform. Dort wartet eine Broschüre mit vielen Einstiegs­informationen zum Download, die eine erste Einarbeitung ins Thema ermöglicht. Hat sich das Interesse für eine Tätigkeit in der Tagespflege bestätigt, füllen die potenziellen Betreuungs­personen eine Art Kurz-Check zum Broschüren-Inhalt aus. Zusammen mit den anderen erforderlichen Bewerbungs­unterlagen senden sie den Fragebogen an das Stadtjugendamt München.

Das Interesse ist groß. Die Anmeldungen sind aber in der Regel auf zehn pro Monat beschränkt. Denn das ist die Anzahl, bei der das Team des Stadtjugendamt München eine fachlich gute Betreuung und Begleitung durch den weiteren Bewerbungs­prozess gerade auch während der Pandemiezeit sicherstellen kann. Die Limitierung soll also Sozialreferat und Interessierte gleichermaßen davor schützen, unnötig Aufwand zu investieren.

Gut informiert dank Online-Verfahren

Anfangs gab es bei den Mitarbeitenden Skepsis gegenüber dem ungewohnten Online-Format. Werden die Neuzugänge die Unterlagen tatsächlich durcharbeiten und entsprechend gut informiert in das erste persönliche Gespräch kommen? Kann so ein schriftliches Dokument verständlich machen, worauf es bei der Kindertagespflege ankommt? Oder würde man hinterher die Inhalte der gestrichenen Präsenz­veranstaltung doch allen noch mal persönlich nahebringen müssen?

Antworten brachte kürzlich ein Befragung mit Hilfe einer weiteren Basiskomponente, der Umfrage-Plattform (siehe Einsatzbeispiel Jugendbefragung). Das Ergebnis war eindeutig: Die Fachberaterinnen und -berater waren insgesamt sehr zufrieden. Denn die Bewerberinnen und Bewerber kamen im Durchschnitt mindestens genauso gut informiert ins persönliche Erstgespräch wie vorher. Manche Beschäftigte setzten den ausgefüllten Fragebogen gerne auch im persönlichen Erstgespräch ein.

Nach dieser positiven Erfahrung hat das Stadtjugendamt Anfang April auch die Präsenz­veranstaltung für Interessierte an der Kindertagespflege im eigenen Haushalt vorübergehend auf die Veranstaltungs­plattform umgestellt. Kerstin Kratky, Fachstelle Öffentlichkeitsarbeit im Stadtjugendamt, betreute den Prozess und die Umfrage. Sie freut sich über die durchwegs positive Einschätzung erster digitaler Komponenten in einem Umfeld, in dem es sehr auf persönliche menschliche Kontakte ankommt:

Im Rückblick konnten wir mit Hilfe der Basiskomponenten schnell einen guten Kommunikationsprozess aufsetzen und den Nutzen verifizieren. Das Online-Verfahren für Erstkontakte in der Großtagespflege hat sich bewährt. Das Sachgebiet Kindertagesbetreuung wird es beibehalten.

Weitere Erkenntnisse und Impulse erhofft man sich durch eine geplante Umfrage bei den Teilnehmenden. Bis dahin steht schon mal fest: Trotz Unterbrechung etablierter Kontaktwege konnten digitale Prozesse dazu beitragen, eine der wichtigsten analogen Aufgaben dieser Stadt weiter zu gewährleisten: eine hochwertige und liebevolle Betreuung der kleinsten Münchnerinnen und Münchner.

Kommentare (0)

 
Schreiben Sie doch den ersten Kommentar zu diesem Thema.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge

Wie hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
[Gesamt: 3   Durchschnitt:  4/5]
Teilen