4. Juni 2019

Veränderung? Zeit für Reverse Mentoring!


Kategorie: Karriere

Ein Beitrag von:

Lisa Zech
Lisa Zech

Wir alle haben eine oder mehrere Personen, die uns in unseren Entscheidungen und unserem Handeln unterstützen, beraten und antreiben. Das können gute Freunde, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Kolleginnen und Kollegen oder Bekannte sein.

Dabei ist in unserer Gesellschaft das Bild des „Mentorings“ davon geprägt, dass meist erfahrene, ältere oder höher gestellte Personen die Rolle der Mentorin oder des Mentors einnehmen und einen jungen, unerfahrenen Mentee coachen. Aber gibt es nicht auch Bereiche, in denen die Älteren von den Jungen etwas lernen können?

Wir sind der Meinung, die gibt es. Daher wird das Personal- und Organisationsreferat mit dem Pilot-Projekt „Reverse Mentoring“ quer durch die Stadtverwaltung neue Impulse für ein innovatives und digitales Arbeiten setzen.

Reverse Mentoring: (K)eine verdrehte Welt

Wie beim klassischen Mentoring geht es auch beim Reverse Mentoring darum, Erfahrungen auszutauschen, Netzwerke aufzubauen und Feedback zu geben. Das Grundprinzip basiert also auf einem Geben und Nehmen zwischen der Mentorin oder dem Mentor und dem Mentee. Nur mit dem Unterschied, dass Mentor und Mentee die Rollen tauschen!

Prinzip des Mentorings

Kurz gesagt: Anstatt uns von langjährigen Führungskräften coachen zu lassen, helfen wir als jüngere, digitalaffine Beschäftigte dabei, die Themenfelder Digitalisierung und New Work zu verstehen und deren Möglichkeiten im täglichen Arbeitsumfeld zu nutzen. Im Gegenzug dürfen wir an den Erfahrungen unserer Mentees teilhaben und erhalten eine Unterstützung in Zukunftsfragen. Somit eine Win-Win-Situation.

In eher hierarchischen und traditionellen Organisationen kommt es vor, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in bestimmten Positionen bislang kaum mit digitalen Medien und innovativen Arbeitstechniken in Kontakt gekommen sind. Ganz anders bei den sogenannten „Digital Natives“. Sie haben einen deutlichen Wissensvorsprung im Bereich Digitalisierung, digitale Kommunikation, dem Umgang mit Social Media, agilen Tools, Apps und Trends. Das Reverse Mentoring bietet hier die Chance, verschiedene Generationen, Hierarchieebenen und digitales Know How zusammen zu bringen.

7 Tandems starten durch

Das Gewöhnliche auf den Kopf stellen? Die Stadtverwaltung als meine Arbeitgeberin innovativer und digitaler gestalten? Generations- und Hierarchie- übergreifend die Möglichkeiten neuer Medien nutzen? Dieser Ansatz hat 6 Kolleginnen und Kollegen und auch mich persönlich überzeugt, am Pilot-Projekt „Reverse Mentoring“ teilzunehmen.

Bei einem ersten Workshop lernten wir uns kennen und bekamen einen Überblick über das Projekt, unsere Aufgaben als digitale Mentorinnen und Mentoren, die Regeln des Mentorings und die organisatorischen Rahmenbedingungen.

In sogenannten Tandems werden wir die nächsten 4 – 6 Monate mit unseren Mentees, hochrangige Führungskräften aus unterschiedlichen Referaten und verschiedenen Bereichen der Verwaltung, zusammen an den Chancen und Herausforderungen der digitalen Welt arbeiten. Dabei sind regelmäßige selbstorganisierte Treffen der Tandems angedacht, um den Dialog zu verstärken.

Den allgemeinen Rahmen für das Programm bietet das stadtweite Projekt Münchner Kompetenzmanagement des Personal- und Organisationsreferats. Im Zuge der Ausarbeitung zukünftiger und innovativer Entwicklungsmaßnahmen hat Melanie Maier das Konzept zum Reverse Mentoring erstellt. Sie startet nun diesen Piloter und leitet ihn. Ziele sind, alte Strukturen aufzubrechen, das Mindset zu verändern, etwas in Bewegung zu setzen und Veränderungen proaktiv zu gestalten.

Die ersten Mentorinnen und Mentoren, von links: Martina Plasova, Dennis Gleber, Claudia Widhopf, David Rösch, Melanie Maier, Lisa Zech, Ella Hiesch, Florian Stelzer

Hardware, Software und Kultur

Trotz dieses formalen Rahmens bietet das Reverse Mentoring viele Freiheiten in der Themenwahl. Im Workshop sammelten wir in kleinen Teams mögliche Inhalte und Kompetenzen, die es unserer Meinung nach zu vermitteln gibt. Natürlich ist die Weitergabe von IT- Know How in Bezug auf Tools, Funktionen und Hardware-Nutzung sehr wichtig. Um welche Punkte es dort genau gehen könnte, zeigt das Bild vom ersten Brainstorming.

Brainstorming möglicher Reverse Mentoring Themen im Auftaktworkshop

Aber auch der Kulturwandel spielt eine sehr große Rolle. Verschiedene Generationen haben da nicht immer die gleichen Sichtweisen. In der Diskussion sind drei Aspekte besonders aufgefallen:

  • Try and Error

    Die Fähigkeit und die Bereitschaft Dinge auszuprobieren, sind in der digitalen Welt entscheidend, um Fortschritte zu erzielen. Wir als „Digital Natives“ arbeiten mit einer sehr offenen Fehlerkultur. Ganz nach dem Motto „einfach mal machen“! Klar gibt es gewisse Vorgaben und Meilensteine, die erreicht werden müssen. Aber durch ein schnelles Scheitern kann auch eine schnelle Korrektur stattfinden. Dieses agile Arbeiten ist wichtig, um auch in der Verwaltung das Arbeitstempo zu erhöhen. Wochenlange Abstimmungsschleifen, das Produzieren von Aktenbergen und fehlende oder späte Entscheidungen sollen der Vergangenheit angehören.

  • Wissen teilen

    Die Offenheit und Transparenz innerhalb unserer Verwaltung ist uns ein großes Anliegen. Aufgrund der Größe unserer Stadtverwaltung stellt es natürlich eine gewisse Herausforderung dar, zu wissen, was die anderen so machen. Aber uns ist es wichtig, das Silodenken zu minimieren und unser Wissen gemeinsam zu nutzen für uns. Ganz im Sinne aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für unsere Kundinnen und Kunden, die Münchner Bürgerschaft. Situationen, dass zwei Bereiche an dem gleichen Thema arbeiten, wollen wir vermeiden und den Austausch neben Events wie dem Marktplatz digitaler Möglichkeiten auch im eigenen Arbeitsbereich fördern.

  • Sprich darüber

    In unserer Stadtverwaltung fällt es häufig noch schwer, zu erkennen, wie interessant die eigene Arbeit für andere doch ist. Wir wollen dazu animieren, neue Medien wie insbesondere Social Media zu nutzen, über unsere Arbeit nach innen und außen zu kommunizieren. Auch offene Veranstaltungsformate wie Barcamps können dabei eine Rolle spielen und bieten die Chance, Feedback direkt von Kundinnen und Kunden einzuholen.

Letztendlich ist es natürlich abhängig von den Mentees, welche Themen sie individuell bearbeiten wollen und wo sie Unterstützung benötigen. Wichtig ist, dass beim Erstgespräch mit den Mentees klare Regeln und Ziele gemeinsam festgelegt werden.

Wie es jetzt weiter geht

Aktuell nimmt das Personal- und Organisationsreferat ein Matching zwischen Mentorinnen und Mentoren und den Mentees vor. Es wird dabei versucht, unsere Stärken mit den Anliegen der Mentees zusammenzubringen.

Jetzt im Juni startet das Programm dann erstmals. Nach einem ersten Kennenlernen, organisieren sich die Tandems eigenverantwortlich. Geplant sind circa drei Treffen im Monat mit einem Umfang von je 1,5 Stunden. Ob diese Dauer und Frequenz geeignet ist, ob weitere Regelungen und Vorgaben nötig sind und wie eine Durchführung des Projektes nach dem Pilot aussehen kann, möchte das Personal- und Organisationsreferat durch regelmäßige Evaluationen herausfinden. So soll der Weg bereitet werden für zukünftig 100 Tandems in der Stadtverwaltung München.

Ich persönlich bin sehr gespannt auf den Verlauf des Programms und freue mich darauf, gemeinsam zu diskutieren und die ein oder andere Hürde zu überwinden. Bei Fragen oder Anmerkungen zum Reverse-Mentoring, wende Dich gerne auch direkt an Melanie Maier unter der Telefonnummer 089-233-22722 oder per Mail an melanie.maier@muenchen.de.

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