21. Februar 2019

Verkehr erfassen und Parkplätze finden


Kategorie: Digital

Ein Beitrag von:

Dr. Stefan Döring
Dr. Stefan Döring

Co-Autor:
Franziska Meier und Uwe Montag

Die intelligenten Lichtmasten im SmartCity-Pilotgebiet Neuaubing-Westkreuz werden wieder ein Stück gescheiter: 20 von ihnen erhalten noch im Februar neue Sensoren, die im Erprobungsmodus zwei Themen rund um den Verkehr in München unterstützen.

Dabei geht es zum einen um die Frage, zu welchen Zeiten bestimmte Verkehrsflächen von wie vielen Autos, Fahrräder sowie Fußgängerinnen und Fußgänger genutzt nutzen. Zum anderen überprüfen wir, wie freie Parkplätze identifiziert werden können.

Ab dem 21. Februar werden die Sensoren zu diesem Zweck hier im Einsatz sein:

 

  • Lichtmasten in der Limesstraße und Wiesenfelserstraße werden mit Sensoren zur Parkplatzentdeckung und zur Verkehrsmessung bestückt.
  • Lichtmasten in der Bodenseestraße erhalten Sensoren zur Verkehrsmessung.

Aktuelle Verkehrsinformationen plus Datenschutz

Hochwertige Daten über den aktuellen Verkehr könnten an vielen Stellen den Service der Münchner Stadtverwaltung verbessern. Je genauer das Bild zur aktuellen Lage, desto effizienter kann das Kreisverwaltungsreferat den Verkehr steuern. Eine exakte Einsatzplanung für Feuerwehr und Krankenwagen kann möglicherweise wertvolle Sekunden und Minuten Anfahrzeit sparen. Und auch die Stadtwerke könnten mit Hilfe von Parkplatzdetektoren ihren Service auf den Park-and-Ride-Plätzen verbessern. Letztlich wird das Planungsreferat von den Daten profitieren, wenn es um die Stadtplanung geht.

Lichtmasten im SmartCity-Pilotgebiet

Zentrale Frage des Erprobungsbetriebs ist, was aktuell technisch möglich ist? So basieren etwa viele aktuelle Informationen zum Verkehr auf den Positionsdaten Auto fahrender Handynutzerinnen und Handynutzern. Da sind normale Staus vor Ampeln auf den ersten Blick von Verkehrsüberlastungen nicht zu unterscheiden. Fahrräder sowie Fußgängerinnen und Fußgänger zu erfassen und zu differenzieren, ist eine weitere Herausforderung.

Anspruchsvoll sind auch die Forderungen an den Datenschutz, die verpflichtend bei der Vergabe für die Verkehrssensoren festgeschrieben wurden: Keine individuell zuordnungsfähigen Informationen über Personen oder Gegenstände! Diese Regelung wurde im Rahmen der Bürgerbeteiligung im Smarter Together Projekt verbindlich festgelegt und wird natürlich strikt eingehalten.

Radarsensoren und Punktwolken

Wie funktioniert die neue Hardware und wie gewährleisten die Sensoren den geforderten Datenschutz?

Die Verkehrsflussmessgeräte des Startups eluminocity und von ParkHere, einer Ausgründung der TU München, setzen Radarsensoren ein. Damit ist die Erfassung jeglicher personenbezogenen Informationen ausgeschlossen. Die Sensoren sind bereits auf mehreren Parkplätzen erfolgreich im Einsatz. Wobei es sich allerdings in der Regel um markierte Einzelplätze handelt, die entweder belegt oder frei sind.

Interessant im Münchner Versuch ist deshalb die Frage, wie gut freie Plätze auf Parkspuren angezeigt werden. Was bereits sicher ist: Die Technik funktioniert wetterunabhängig. Das Radarsignal wird von Regen oder Schnee nicht beeinträchtigt.

Foto ParkHere Gmbh

Der Parksensor von Cleverciti erinnert ein wenig an Augen und Nase. Er arbeitet mit einer bildbasierten Technik. Natürlich ist dennoch auch hier der volle Datenschutz garantiert. Denn der Sensor verarbeitet die Rohdaten. Was ihn verlässt, sind ausschließlich die errechneten Eckpunkte der gemessenen parkenden Objekte, die dann auf einer digitalen Stadtkarte präzise verortet werden können.

Foto Cleverciti Systems GmbH

Große Mülltonne oder Kleinwagen?

Die Auswertung der auf etwa 2 Jahre angesetzten technische Erprobung geschieht über eine spezielle Software (Analyse Dashboard). Ausprobieren kann man das bereits während der Erprobung, sobald der Sensortest eine gewisse Reife erreicht hat (Wir werden berichten). Es sind aber auch andere Informationssysteme denkbar, etwa elektronische Hinweise auf den Bildschirmen von Einsatzzentralen der Verkehrsplaner und Rettungsdienste oder große Infotafeln auf Park-&-Ride-Flächen.

Doch jetzt geht es erst einmal darum zu untersuchen, wozu die neuen Sensoren in der Lage sind. Erkennen die Systeme zuverlässig alle Verkehrsteilnehmer? Können sie unterscheiden, ob auf dem Parkplatz eine große Mülltonne oder ein kleines Auto steht? Liefern sie valide Daten über Pkw und Lkw, die dann mit der Feinstaubmessung abgeglichen werden können? Diese und weitere Fragen erforschen wir in den kommenden Monaten.

Zurecht stellt man sich vielleicht die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, erst zu überlegen, was genau man will und dann die Technik zu erproben? Nein, in diesem Fall nicht. Denn die Frage der Ausgestaltung solcher Anwendungen ist hoch komplex. Themen zum Verkehr in München berühren viele Bereiche, wie etwa Politik, Umwelt, Stadtplanung, Interessen der Bürgerinnen und Bürger und den Datenschutz. Bevor man hier mit allen Beteiligten in die Diskussion geht, ist es besser, man weiß, was technisch überhaupt machbar ist

Kommentare (0)

 
Schreiben Sie doch den ersten Kommentar zu diesem Thema.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Weitere Beiträge

Teilen