12. Oktober 2026

Zukunftssichere Virtualisierung: hybrider Ansatz mit Open Source

Wie München mit einer neuen Virtualisierungsstrategie Kosten senken, digitale Souveränität stärken und gleichzeitig die Open-Source-Community unterstützen will.

Virtualisierung wirtschaftlich und planbar machen

Virtualisierung gehört zu den zentralen Bausteinen moderner Rechenzentren. Vereinfacht gesagt ermöglicht sie, mehrere virtuelle Server auf einer gemeinsamen Hardware zu betreiben. Dadurch können Anwendungen effizienter bereitgestellt, Ressourcen besser genutzt und neue Systeme deutlich schneller eingerichtet werden. Auch die digitale Infrastruktur der Landeshauptstadt München basiert seit vielen Jahren auf dieser Technologie.

Die bisher eingesetzte Virtualisierungsplattform hat sich über viele Jahre als leistungsfähige und stabile Enterprise-Lösung bewährt. Nach der Übernahme des Herstellers durch eine neue Firma änderten sich jedoch das Lizenzmodell und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend. Für viele Unternehmen und öffentliche Verwaltungen stellte sich dadurch die Frage, wie sich Virtualisierung künftig wirtschaftlich und gleichzeitig langfristig planbar betreiben lässt.

Vor diesem Hintergrund entschied sich das IT-Referat gemeinsam mit dem IT-Dienstleister it@M, die zukünftige Virtualisierungsstrategie neu zu bewerten.

Strategisch entscheiden statt einfach wechseln

Über einen Zeitraum von rund eineinhalb Jahren wurden verschiedene proprietäre und Open-Source-Lösungen technisch und wirtschaftlich analysiert. Das Ergebnis ist bewusst kein vollständiger Plattformwechsel.

Vielmehr verfolgt die Landeshauptstadt München künftig einen hybriden Ansatz:

  • Herstellerzertifizierte Workloads – beispielsweise SAP-Systeme – verbleiben weiterhin auf der bestehenden Umgebung.
  • Für einen Großteil der Standard-Workloads wird schrittweise eine neue Open-Source-Plattform auf Basis von Proxmox aufgebaut. Proxmox ist seit fast 20 Jahren etabliert und in eine große und professionelle Community eingebunden.

Damit verbindet München die Stabilität etablierter Enterprise-Plattformen mit den Vorteilen moderner Open-Source-Technologien.

Digitale Souveränität und Wirtschaftlichkeit gemeinsam denken

Die Entscheidung verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig. Zum einen reduziert die Stadt langfristig ihre Abhängigkeit von einzelnen Softwareherstellern und stärkt damit ihre digitale Souveränität. Zum anderen schafft sie die Grundlage, zukünftige Lizenzkosten besser steuern zu können und wirtschaftlich flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren. Dabei steht nicht die Ablösung bestehender Hersteller im Vordergrund, sondern der Aufbau einer produktiv erprobten Alternative. Ziel ist es, künftig auf Basis eigener Erfahrungen entscheiden zu können, welche Plattform für welchen Einsatzzweck die beste Lösung darstellt.

Schrittweise Transformation statt Big Bang

Die Einführung der neuen Plattform erfolgt bewusst schrittweise über mehrere Jahre. Rund zehn Expert*innen aus den Bereichen Linux, Virtualisierung, Storage und Automatisierung arbeiten gemeinsam an der Umsetzung. Das hierfür erforderliche Know-how ist bereits heute beim IT-Dienstleister it@M vorhanden. Zusätzliche Stellen sind daher nicht erforderlich. Durch den Parallelbetrieb der bestehenden Umgebung und der neuen Open-Source-Plattform bleibt das Risiko jederzeit beherrschbar. Gleichzeitig kann das Team durch den frühzeitigen Betrieb erster produktiver Workloads Erfahrungen mit der neuen Infrastruktur sammeln.

Gemeinsam mit der Open-Source-Community

Ein wesentlicher Vorteil von Open Source besteht darin, Verbesserungen nicht nur zu nutzen, sondern aktiv mitzugestalten. Im Rahmen der Einführung wurden gemeinsam mit dem Unternehmen ATIX aus Garching bei München Erweiterungen an der Open-Source-Plattform Foreman entwickelt. 

Die Investition von rund 20.000 Euro floss dabei nicht in proprietäre Sonderentwicklungen, sondern in Funktionen, die anschließend wieder in das Open-Source-Projekt eingebracht wurden. Davon profitieren künftig nicht nur die Landeshauptstadt München, sondern auch andere öffentliche Verwaltungen und Unternehmen weltweit. 

Gleichzeitig stärkt die Zusammenarbeit mit einem regionalen Open-Source-Unternehmen den IT-Standort Bayern. Mit der Entscheidung für einen Open-Source-Hypervisor investiert die Landeshauptstadt München künftig verstärkt in die Weiterentwicklung offener Software. Supportverträge und Entwicklungsleistungen kommen damit nicht nur dem eigenen Betrieb zugute, sondern stärken gleichzeitig die Open-Source-Community und fördern die nachhaltige Weiterentwicklung der eingesetzten Technologien.

Mehr als ein Infrastrukturprojekt

Für die Bürger*innen wird sich durch die neue Virtualisierungsstrategie kaum etwas ändern – und genau das ist das Ziel. Digitale Infrastruktur soll zuverlässig funktionieren, unabhängig davon, welche Technologie im Hintergrund eingesetzt wird.

München setzt dabei bewusst auf einen technologieoffenen Weg: Bewährte Enterprise-Lösungen bleiben dort im Einsatz, wo sie für bestimmte Anwendungen die beste Wahl sind. Gleichzeitig wird mit Open Source eine leistungsfähige Alternative aufgebaut, die langfristig mehr strategische Handlungsfreiheit schafft, Innovation fördert und die digitale Zukunft der Stadt nachhaltig stärkt.

Die neue Virtualisierungsstrategie der Landeshauptstadt München ist deshalb weit mehr als ein technisches Infrastrukturprojekt. Sie verbindet Wirtschaftlichkeit, Betriebssicherheit und digitale Souveränität mit einem pragmatischen Transformationsansatz.