Tag der Vermessung und Geoinformation
Geschichtliches aus dem Fachgebiet der Geodäsie
Am 5. März feiern wir den Tag der Vermessung und Geoinformation
Anlässlich des Tags der Vermessung und Geoinformation am 5. März werfen wir in diesem Jahr einen Blick auf eine technische Meisterleistung, die 1801 in München begann und die gesamte Landkarte Bayerns für immer veränderte.
Stellen Sie sich vor, Sie müssten eine Strecke von fast 22 Kilometern messen – und zwar sehr genau. Unmöglich? Nicht für die bayerischen Geodäten des frühen 19. Jahrhunderts!
Alles begann im August 1801, als Napoleon eine Neuordnung Europas anordnete und in Bayern das „Topographische Bureau“ von Maximilian IV. Joseph gegründet wurde. Der Startschuss fiel im Münchner Norden: Eine schnurgerade Linie wurde von Unterföhring bis nach Aufkirchen (nahe Erding) gezogen.
Doch „Schnur“ war hier das falsche Wort. Die Vermesser verwendeten fünf Meter lange Eisenstangen, die in speziellen Holzkästen gelagert wurden. Warum? Damit die bayerische Sommerhitze das Metall nicht ausdehnt. Mit Thermometern bewaffnet, berechneten sie jede noch so kleine Schwankung mit akribischer Genauigkeit.
Die direkt gemessene Linie hat eine Länge von 21.653,8 Metern. Aktuelle Messungen mit modernen Geräten zeigen eine Abweichung von lediglich 70 Zentimetern, was einem Fehler von nur drei Zentimetern pro Kilometer der gemessenen Grundlinie entspricht.
Der „München-Effekt“
Diese Basislinie war das Fundament, auf dem ganz Bayern – vom Allgäu bis nach Franken – vermessen wurde. Hätten die Geodäten damals ungenau gemessen, stünde heute vielleicht die Zugspitze auf der Landkarte einige Meter zu weit links oder der Marienplatz wäre offiziell viel kleiner.
Wer heute durch Unterföhring oder Aufkirchen spaziert, findet dort die Basispyramiden. Sie markieren die jeweiligen Endpunkte dieser besonderen Messung und sind stille Denkmäler für eine Zeit, in der Vermessung noch echte Knochenarbeit war und in der man für einen einzigen Fehler vermutlich den ganzen Weg zurücklaufen musste.
Wenn Sie also das nächste Mal Ihr GPS einschalten, denken Sie kurz an die Männer mit den Holzkästen in Unterföhring und Aufkirchen. Sie haben den Grundstein dafür gelegt, dass wir heute wissen, wo es in München lang geht.
Bei uns finden Sie auch viel Kartendienste online in unserem GeoPortal:
Drei schnelle Fakten zum 5. März
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Der Nullpunkt: Die gesamte bayerische Vermessung bezog sich ursprünglich auf den nördlichen Turm der Münchner Frauenkirche. Er ist quasi das „Herzstück“ aller bayerischen Koordinaten.
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Die Erde ist keine Kugel: Geodäten wissen es besser – München liegt nicht auf einer Kugel, sondern auf einem Geoid (einer Art „Dellen-Kartoffel“).
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Steinerne Zeugen: In Münchens Grünanlagen verstecken sich noch heute historische Grenzsteine, die früher unter strengstem Schutz standen. Wer sie verrückte, riskiert mehr als nur Ärger mit dem Nachbarn! Das Verrücken oder Entfernen von Grenzsteinen ist nach wie vor eine Ordnungswidrigkeit.
Damit wünschen wir Ihnen einen schönen Tag der Vermessung und Geoinformation, denn diese Datenerhebungen sind für die Stadtgesellschaft wertvoller als man gemeinhin denkt. Wir danken allen Fachleuten, die in der Vermessung und Geodäsie tätig sind, für ihre engagierte Arbeit und ihren Beitrag zur Weiterentwicklung unserer Städte.
Und falls Sie sich wundern, warum wir in diesem Artikel nicht – wie sonst von der Landeshauptstadt München gewohnt – gegendert haben: Es ist leider nicht überliefert, ob Geodätinnen an der Messung teilgenommen haben. Umso mehr freuen wir uns heute, dass sich die Frauenquote in unserem Amt deutlich verbessert hat.
Ein Beitrag von:
GeodatenService München, Landeshauptstadt München