Digitalbarometer: Digitale Zugänge für alle Münchner*innen

Was Münchens Fachkräfte aus dem sozialen Bereich über Hürden in der digitalen Teilhabe sagen. 

Kurzfassung

Digitale Angebote sind Alltag – aber nicht für alle. Unsere Studie zeigt: Viele Münchner*innen stoßen auf Hürden beim Zugang zu Geräten, Verwaltungsdienstleistungen und Unterstützung. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, Senior*innen, junge Familien und Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit Flucht- und Migrationsbiografie sowie obdach- und wohnungslose Menschen. Sozialfachkräfte spielen eine entscheidende Rolle, um digitale Teilhabe in München flächendeckend zu ermöglichen. 
Im Projekt „Digitale Zugänge für alle“ arbeitet das IT-Referat koordiniert mit dem Sozialreferat und REGSAM zusammen, um digitale Teilhabe datenbasiert auszubauen. Die Studienergebnisse bilden eine wesentliche Grundlage.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • 522 befragte Sozialfachkräfte des Netzwerkes REGSAM geben ein aktuelles Lagebild.
  • Größte Hürde: Armut – fehlende Geräte und Netzzugang sowie Zugang zu Weiterbildungsangeboten.
  • Der Ausbau von digitalen Basiskompetenzen, verständliche, barrierearme Onlinedienste und alltagsnahe Behördensprache sind Schlüssel für mehr digitale Teilhabe.
  • Um möglichst viele Menschen zu erreichen, müssen digitale Angebote für mobile Geräte optimiert sein.
  • Für existenzsichernde Leistungen braucht es weiterhin eine analoge Möglichkeit der Beantragung sowie auch Hilfestellung dabei. 
  • Frauen erleben oft Mehrfachbenachteiligung – der Fokus auf ihre Situation ist also zentral.

Warum diese Studie?

Viele etablierte Studien (zum Beispiel bundesweite Erhebungen) betrachten die Gesamtbevölkerung. Unser Ansatz richtet den Blick auf die Gruppen, die besondere Teilhaberisiken haben – und auf die Fachkräfte, die sie täglich erreichen. Nur so lassen sich passgenaue Maßnahmen für München entwickeln.

Eckdaten der Erhebung

  • Stichprobe: 522 (größtenteils hauptamtliche) Fachkräfte aus sozialer Arbeit sowie aus dem Gesundheits- und Bildungsbereich
  • Zeitraum: Vier Wochen im Frühsommer 2025
  • Methode: Quantitative Online‑Befragung mit offenen Feldern für qualitatives Feedback
  • Themen: Digitale Basiskompetenzen, Barrieren der Teilhabe, geschlechtsspezifische Perspektive, Wirksamkeit bestehender Maßnahmen

Wer steht im Fokus?

Sozialfachkräfte sind Schlüsselfiguren: Sie kennen die Lebenslagen und Hürden ihrer Klient*innen – und können aus ihrem Vertrauensverhältnis heraus digitale Unterstützung direkt in den Alltag bringen.

Gruppen mit erhöhtem Teilhaberisiko:

  • Kinder und Jugendliche
  • Senior*innen
  • Alleinerziehende und junge Familien
  • Menschen mit Behinderungen
  • Menschen mit Flucht- und Migrationsbiografie
  • Obdach- und wohnungslose Menschen


Fokus: Frauen
Viele Frauen sind mehrfach benachteiligt (ökonomisch, familiär, et cetera). Die intersektionale Belastung äußert sich zum Beispiel darin, dass Frauen wegen der Kindesfürsorge oft nur in Teilzeit arbeiten und daher finanziell schlechter gestellt sind. Ein eigener Blick auf weiblich gelesene Personen hilft, spezifische Hürden zu erkennen und passende Unterstützungsangebote zu entwickeln.

Wo hakt es?

  • Fehlende Endgeräte (Smartphone, Laptop, PC)
  • Kein verlässlicher Netzzugang: Abhängigkeit von öffentlichem WLAN
  • Kaum Zeitfenster für Weiterbildung – Erwerbsarbeit, Care‑Arbeit, et cetera dominieren den Alltag

Am Beispiel der Gruppe Kinder und Jugendliche zeigt sich, dass Herausforderungen immer zielgruppen-spezifisch gedacht werden müssen.

91 Prozent der Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sagen zwar, dass diese stark in der Kommunikation mit Social Media sind. Gleichzeitig (siehe Grafik), ist digitale Nutzung nicht mit digitaler Kompetenz gleichzusetzen: Null Prozent der befragten Fachkräfte schätzen, dass ihre Klient*innen seriöse von unseriösen Nachrichten zuverlässig unterscheiden können. Nur zwei Prozent sehen ausreichende Kompetenzen beim Umgang mit digitalen Gefahren.

Die Einzelnennungen der Fachkräfte legen nahe, dass besonders Mädchen und junge Frauen von Digitaler Gewalt betroffen sind. Sie benötigen daher insbesondere Unterstützung, um sich dagegen schützen und behaupten zu können.

Balkendiagramm zu digitalen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen. 91 % der Fachkräfte berichten, dass Jugendliche gut in der Nutzung der Sozialen Medien sind. Deutlich geringere Werte bescheinigen Fachkräfte Jugendlichen bei sicherheitsrelevanten Kompetenzen: 0 % können seriöse von unseriösen Nachrichten im Internet unterscheiden, 0 % verfügen über Wissen zu Datenschutz und Online-Sicherheit. 2 % fühlen sich im Umgang mit Cybermobbing und digitalen Gefahren sicher.“

Fach- und Beratungskräfte berichten, dass für bestimmte Zielgruppen wie beispielsweise Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung digitale Verwaltungsprozesse noch immer eine Herausforderung darstellen. Barrierearme, nutzer*innenfreundliche Digitalisierung gilt es weiterhin konsequent weiterzuführen.

Was braucht es jetzt?

Soziale Arbeit ist ein wichtiger Schlüssel für Digitale Teilhabe - Anerkennung und Unterstützung der Sozialarbeiter*innen sind essenziell dafür.

  • Armut stellt alle Gruppen vor Herausforderungen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Geräten und Netz, außerdem fehlt oft die Möglichkeit zur eigenen Weiterbildung.
  • mangelnde Bekanntheit von Beratungs- und Schulungsangeboten zum Aufbau von Digitalkompetenz ist wichtigste Hürde für die Nutzung
  • Digitale Anträge für existenzsichernde Leistungen bedeuten zusätzliche sprachliche und inhaltliche Hürden – ohne Unterstützung durch persönliches Umfeld oder Fachkräfte können formale Abläufe nicht digital bewältigt werden.
  • Fachkräfte sind zentral für digitale Teilhabe, aktuell allerdings ohne zeitliche oder technische Ressourcen oder spezifische Qualifizierung für diese Aufgaben
  • Spezifische Herausforderungen für Frauen - Beispiel junge Mütter und Alleinerziehende: Neben Bereitstellung von Geräten oder Kursangeboten muss auch das Problem des Zeitmangels zur Wahrnehmung dieser Angebote gelöst werden.

 

Nächste Schritte

Im ersten Quartal 2026 gehen vorgeschlagene Maßnahmen als Beschlussvorlage „Digitalbarometer München – Digitale Zugänge für alle in München: transparent und zielgruppengerecht" in den IT-Ausschuss.“
Auf Basis dieser Studie entscheidet der Stadtrat darüber, was in den nächsten Jahren unternommen wird, um die Digitale Teilhabe zu stärken.